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Soziales: Inakzeptabel und empörend

Soziales : Inakzeptabel und empörend

Zum Kommentar „Tarifpolitische Mäßigung wäre angesagt gewesen“ (TV vom 26. August) schreibt Peter Bepperling:

Es ist mal wieder soweit! Im öffentlichen Dienst (öD) stehen Tarifverhandlungen an. Schon werden wieder Stimmen laut wie die von TV-Kommentator Stefan Vetter: Verdi bläst angeblich zum Kampf für einen Anschluss-Tarifvertag, ohne Kenntnis der vorhandenen Corona-Pandemie. Wobei Herr Vetter dann auch noch tarifpolitische Vorschläge aus einem Tarifbereich unterbreitet, in dem höhere Entgelte tarifiert sind. Gerade die Corona-Pandemie zeigt: Der öffentliche Dienst und seine Beschäftigten halten das Land zusammen. Das muss auch in einem Tarifergebnis deutlich werden. Klatschen allein hilft niemandem – schon gar nicht den Beschäftigten des öD und der Konjunktur. Dem öD kommt in diesem Jahr eine entscheidende Rolle bei der Stabilisierung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung zu. Wir haben einen robusten Binnenmarkt und die Chance auf dauerhafte wirtschaftliche Erholung. Die 2,3 Millionen Beschäftigten beim Bund und den Kommunen sorgen mit ihrer Arbeit dafür, dass Kinder betreut werden, alte und kranke Menschen gepflegt werden, sie achten auf den Schutz der Gesundheit, sie fahren andere Menschen mit Bussen zur Arbeit, entsorgen Müll und, und, und. Diese Arbeiten sind unverzichtbar – die Wahrnehmung ist systemrelevant!

Diese Beschäftigten werden im Vergleich zu anderen Branchen viel zu schlecht bezahlt! Kein Wunder, dass es einen erheblichen Fachkräfte- und Nachwuchsmangel im öD gibt. Die Beschäftigten spüren dies, wenn dadurch deren Aufgaben immer mehr und umfangreicher bei gleichem Einkommen werden. Dass vor allem die VKA (Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände) diesen Einsatz nicht würdigt und diese Krise jetzt auf dem Rücken der Beschäftigten austragen will, ist inakzeptabel und empörend! Die Arbeitgeber von Bund und Kommunen setzen auf den Einsatz der Beschäftigten, aber mehr zahlen wollen sie dafür nicht! Das ist respektlos. Der öffentliche Dienst ist wichtig, er hat schon immer gute Arbeit geleistet, auch schon vor der Corona-Pandemie! Er ist nicht nur in Krisenzeiten, sondern auch in Alltagsbereichen unverzichtbar!

Peter Bepperling, Konz, Verdi-Mitglied