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Inklusion nicht nur Aufgabe der Schule

Leserbrief : Inklusion nicht nur Aufgabe der Schule

Ausbildung

Zum Artikel „Förderschüler haben kaum Chancen auf dem Arbeitsmarkt“ (TV vom 13. Oktober):

In dem Artikel wird durchgehend der Begriff der Förderschüler benutzt, ohne diesen zu spezifizieren beziehungsweise zu differenzieren. Den Förderschüler gibt es nun mal nicht. Es handelt sich um eine sehr heterogene Schülerklientel, die — aus defizitärer Sicht gesehen — völlig unterschiedlich „behindert“ sein kann oder besser ausgedrückt, über völlig unterschiedliche Kompetenzen verfügt.  Die Aussage „Förderschüler haben keine Chancen auf dem Arbeitsmarkt“ ist insofern viel zu pauschal.

Im Artikel wird Klaus-Peter Hammer, Landeschef des Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) sinngemäß zitiert, dass das Festhalten an der Doppelstruktur von Förder- und Schwerpunktschulen der Landesregierung eine umfassende Inklusion durch die Unterrichtung von Kindern mit Förderbedarf an Förderschulen verhindere und dass damit gegen die UN-Behindertenkonvention verstoßen würde. Ich habe Letzterer an keiner Stelle die Notwendigkeit entnehmen können, Förderschulen aufzulösen. Es geht dort lediglich um die Erfüllung der Bedürfnisse aller Lernenden.

Ob ein Kind, ein Jugendlicher besser an einer Förder- oder Regelschule aufgehoben ist, sollte immer voin den vorhandenen individuellen Voraussetzungen und Gegebenheiten vor Ort abhängig gemacht werden oder anders ausgedrückt: „Pädagogische Bedürfnisse müssen im Hinblick darauf beurteilt werden, was für den Einzelnen das Beste ist.“ (Zitat der Weltgesundheitsorganisation 2011)

Die Existenz von Förderschulen dürfte im Übrigen allein für jene Schüler unverzichtbar sein, die aufgrund der Schwere und/oder Besonderheit ihrer Beeinträchtigung ein besonderes, überschaubares und ruhiges Lernumfeld benötigen. Die Lehrkräfte in den Schwerpunktschulen stoßen durch die oft unzureichenden Bedingungen an ihre Grenzen.

Die beiden Vertreter der Handwerkskammer warnen zu Recht vor einer Pauschalisierung und Vorwurfshaltung gegenüber den Förderschulen. Gerade diese zeichnen sich in Zusammenarbeit mit unterschiedlichen Institutionen durch eine individuelle und passgenaue berufliche Vorbereitung ihrer SchülerInnen aus.

Vielleicht müssen sich auch die „Anschlusssysteme“ nach der Schule auf die Veränderungen in der Gesellschaft und deren Folgen einstellen und den Kindern und Jugendlichen individuelle(re) Ausbildungs- und Beschäftigungsangebote machen. Der Leitgedanke der Inklusion zur gleichberechtigten gesellschaftlichen Teilhabe ist nicht nur Aufgabe der Schule ...