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Sprache: Inkorrekt, falsch, diskriminierend, irreführend, unlogisch, unverständlich ... und mehr als überflüssig

Sprache : Inkorrekt, falsch, diskriminierend, irreführend, unlogisch, unverständlich ... und mehr als überflüssig

Zur Berichterstattung und zu Meinungsbeiträgen über gendergerechte Sprache, die sogenannte Cancel Culture und Anglizismen schreiben Peter Tries und Eleonore Roth:

Zur Berichterstattung und zu Meinungsbeiträgen über gendergerechte Sprache, die sogenannte Cancel Culture und Anglizismen:

Wir haben schon viel kulturellen Unsinn durchgemacht, aber offensichtlich nicht viel dazugelernt: Nach den unsäglichen Aktio­nen zu kulturellen Themen wie Schreiben nach Gehör, Mengenlehre, Rechtschreibreform, falscher Dativ, falsche Zeitformen, Denglisch, Sprachschlamperei, Fehler von Übersetzungsmaschinen, kritiklosen falschen Übersetzungen aus dem Englischen et cetera werde ich als Mann nun im Schriftlichen auf eine Art Sternchen reduziert, im Mündlichen auf eine Zehntelsekunde. Oft wird die unabsichtlich und absichtlich auch gar nicht akzentuiert, so hört man zum Beispiel aktuell gesprochen öfter das „Ministerpräsidentinnentreffen“ zur Corona-Runde oder etwas über unsere „Soldatinnen“ in Afghanistan.

Als Mann kann man da flugs zur Frau werden. Die Grünen und Linken gehen in der Sache voran, auch der Duden, und natürlich auch in den öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten wird es verwendet. Das Ganze heißt „gendergerechte Sprache“ und erhebt den Anspruch, „gerechter“ zu sein als alles frühere. Das aber ist keineswegs der Fall. Eine derartig angewendete Formulierungsvorschrift empfinde ich als Forderung, mich der sprachlichen Befolgung einer Geschlechterideologie zu unterwerfen. Ich fühle mich diskriminiert.

Es existiert weltweit, soweit mir bekannt, keine Sprache, die bei jeder Personenbezeichnung alle Geschlechter und alle sexuellen, religiösen oder sonstigen Orientierungen nennt. Erklärtes Ziel der Grünen, Linken und „Frauenrechtsgruppen“ ist in diesem Zuge die Beseitigung des sogenannten generischen Maskuli­nums, und zwar fernab fundierten Wissens über grammatikalische Erfordernisse oder Ansprüche an die Genauigkeit der Sprache. Denn für bestimmte Substantive ist bereits seit sehr langer Zeit und allgemein geübt die neutrale Bedeutung vereinbart (in der Fachsprache etwas unglücklich „generisches Maskulinum“ genannt), es ist kein bestimmtes Geschlecht zugeordnet, somit sind alle Geschlechter (all sexes) gemeint. So bedeutet „Ich gehe zum Arzt“ auch „Ich gehe zu einer Ärztin“ und so fort. Das gilt insbesondere bei fast allen Berufs- und Funktionsbezeichnungen und verschiedensten Endungen des Substantivs wie bei Säugling, Impfling, Soldat, Migrant, Kommunist, Terrorist.

Das jetzt geübte sprachliche Gendergehabe ist absolut nicht geeignet, die gegenseitige Achtung der Geschlechter zu verbessern, eher grenzt es aus und spaltet es. Andersdenkende Menschen werden als „aus der Zeit gefallen“ abqualifiziert. Verdiente Menschen, wie jüngst Wolfgang Thierse und Gesine Schwan, fühlen sich ausgegrenzt. Es ist zudem sachlich inkorrekt, grammatikalisch falsch, diskriminierend, ideologisch belastet, phonetisch irreführend, unlogisch, unverständlich, nicht in andere Sprachen übersetzbar und mehr als überflüssig. Die Sprache gehört uns allen. Das Fortschreiten der unsinnigen Gendersprache in der „veröffentlichten Meinung“ in Deutschland zeigt mir in erschreckender Weise, wie eine noch kleine, ideologisch speziell orientierte Gruppe die Entwicklung unserer Sprache mit durchsetzungsstarken Methoden in die Hand nimmt. Das ist gefährlich und dürfen wir nicht zulassen.

Ich rege die Einrichtung eines englisch-deutschen Wörterbuchs für jede Volksfreund-Ausgabe an.

Offenbar ist es schwierig, passende deutsche Begriffe zu wählen, zum Beispiel für „Equal Pay Day“. Das muss nicht stets eine wortgetreue Übersetzung sein, „gleicher Lohn für gleiche Arbeit“, das ist eine alte Forderung der Gewerkschaften.

Ich habe eine Woche lang Begriffe aus dem Volksfreund gesammelt und dabei nicht einmal alle Artikel gelesen, zum Beispiel nicht die Sportseite. Hier sind sie (Anmerkung der Red.: sämtlich kleingeschrieben, abweichend von der Schreibweise in der Zeitung):

blame game, open source, click and meet, big blue button, master, outfit, trader, broker, take away, home schooling, best practise, gender pay day, gender pay gap, this sounds like good-bye, fake news, knitwear, drive in, fast food, performance, law school, repair cafe, online meeting, dropbox, zoom, native users, taskforce, scout, chucks, cancel culture, shitstorm, handmade …

Jeder weiß inzwischen, was „Lockdown“ für uns bedeutet, im „Cassells German Dictionary“ steht der Begriff nicht (allerdings habe ich keine neuere Ausgabe). Beim „Shitstorm“ = Scheißesturm ist die deutsche Übersetzung doch sehr viel präziser – oder?!

Ich bin keine Lehrerin und spreche sehr gut Englisch. Aber geben Sie sich bitte mehr Mühe mit unserer Sprache.