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Katholische Kirche: Interessengeleiteter Gefälligkeitsjournalismus

Katholische Kirche : Interessengeleiteter Gefälligkeitsjournalismus

Zum Artikel „Was steckt hinter der neuen Stiftung von Kardinal Marx?“ (TV vom 7. Dezember) schreibt Dr. Hermann Severin:

Es handelt sich um einen Artikel der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) – Motto auf deren Website: aus guter Quelle informiert. Der Artikel ist auch auf katholisch.de, dem Internetportal der katholischen Kirche in Deutschland, zu finden. Hier ist die Überschrift als Aussagesatz („Was hinter der neuen Stiftung von Kardinal Marx steckt“) formuliert, im TV als Frage. Der von der Katholischen Nachrichten-Agentur übernommene Artikel ist als offizielle Darstellung der katholischen Kirche zu sehen. Er nimmt Bezug auf einen am 4. Dezember. in der katholischen britischen Wochenzeitung „The Tablet“ veröffentlichten Beitrag über die Gründung der Stiftung und ihre Ziele. Nicht Bezug genommen wird auf die Pressemitteilung der Erzdiözese München und Freising, ebenfalls vom 4. Dezember, und der sehr klaren Stellungnahme von Kardinal Marx. Liest man die Pressemitteilung auf erzbistum-muenchen.de, findet man die folgenden Aussagen: „Sexueller Missbrauch im Verantwortungsbereich der Kirche ist ein Verbrechen. Es zerstört das Leben vieler Menschen und bedeutet schwere Belastungen der unmittelbar Betroffenen, aber auch für deren Familien und Freunde. Das System Kirche als Ganzes ist hier schuldig geworden. Missbrauch hat systemische Ursachen und Folgen“, erklärte der Erzbischof von München und Freising anlässlich der Gründung der Stiftung. [...] Dabei sei ihm klar: „Geld kann keine Wunden heilen. Aber es kann dazu beitragen, dass Bedingungen geschaffen werden, die Heilungs- und Wandlungsprozesse ermöglichen.“ Dies sind keine grundsätzlich neuen Aussagen zu der Thematik Sexueller Missbrauch, aber Sätze, die die überwiegende Mehrheit der Repräsentanten und Mitglieder der katholischen Kirche nicht gerne hört oder liest. Insofern ist der Artikel der Katholischen Nachrichten-Agentur ein perfektes Beispiel für interessengeleiteten Gefälligkeitsjournalismus: Man wird informiert, aber eben so, wie es die KNA für richtig hält.

Aus guter Quelle informiert? Eher nicht. Schade, dass der TV den Artikel der KNA ohne eigene Recherche gedruckt hat und nicht auch einen Blick auf die Pressemitteilung der Erzdiözese München als Primär­quelle geworfen hat.

Dr. Hermann Severin, Daun