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Bahn: Je leiser die Züge, desto lauter die Proteste

Bahn : Je leiser die Züge, desto lauter die Proteste

Zum Artikel „Entlastungstrasse auf dem Abstellgleis“ (TV vom 4. Februar) schreibt Hans J. Hauprich:

Eisenbahner und Eisenbahnfreunde haben im Mittelrheintal keine wirklichen Freunde und das schon seit dem 9. April 1856, 9.25 Uhr! An diesem Tag fuhr der erste planmäßige Zug von Wiesbaden kommend nach Rüdesheim. Seit damals, nur unterbrochen durch die beiden Weltkriege, geistern immer wieder die Forderungen nach Untertunnelungen und sonstige „Eisenbahn muss weg“-Rufe durchs Rheintal.

Die heutigen Proteste kamen just zu dem Zeitpunkt wieder auf, als Bundesbahn und DB AG sich am Ende des vorigen Jahrhunderts aus den kleinteiligen Dienstleistungen, also der Uraufgabe der Bahn, zurückzogen. Nach Abzug des Personals und der Schließung der meisten Bahnhöfe entdeckten dann plötzlich „besorgte“ Anwohner und sonstige Bedenkenträger die Geräuschpegel der heutigen, eh immer leiser werdenden Bahn!

 In der Epoche davor war die Bahn tatsächlich eine die Ohren quälende Angelegenheit. Stampfende und abblasende Dampfloks, beständige Tunnelpfiffe, schaltwerkknallende E-Loks, höllisch quietschende Klotzbremsen und der Lärm der über die Flachstellen rollenden Züge.

Die Trillerpfeifen der Bahnlärm-Demonstranten übertönen jeden Güterzug, Bahnübergänge werden blockiert und die Ohren beim leisesten Elektrotriebwagen demonstrativ zugehalten. Da stehen dann die Schlagworte „Tunnel“ und „Tempolimit“ auf den Transparenten. Dazu noch im Hirn „Die Bahn muss komplett weg“-Phrase!

Ein klarer Fall für den Psychologen, denn die Forderungen zwischen berechtigten Einwänden und gefährlichem Halbwissen würden für einen mehrbändigen Fortsetzungsroman bequem ausreichen!

 Weniger Dogmen, weniger utopische Maximalforderungen, weniger von keinem Fachwissen geplagte Lokalgrößen würden der berechtigten Diskussion über die Bahn-Akustik gut zu Gesicht stehen! Aber bis dahin wird noch viel Wasser an der Loreley vorbeifließen.

Ah so, das Gesagte lässt sich eins zu eins zum Beispiel auf die Diskussion über die Trierer West-Trasse der Bahn übertragen!

Hans J. Hauprich, Kasel