1. Meinung
  2. Leserbriefe

Johannes Schehl und Josef Kruft zur Grundsteuererhebung

Leserbriefe : Die Grundsteuererhebung, die überbordende Bürokratie und der Trend, die Arbeit dem Steuerzahler aufzubürden

Grundsteuer

Zu den Artikeln „Liebes Finanzamt, ich versteh‘ dich nicht!“, „Jede Menge Probleme wegen Grundsteuererklärung“, „Grundsteuererklärung: Was man wissen muss“ (alle TV vom 12. Juli), „So schaffen Sie leicht die Grundsteuererklärung““ (TV vom 21. Juli),  „Fragen und Antworten zur Grundsteuer“ (TV vom 25. Juli) und andere:

Löblich, dass der Trierische Volksfreund eine Hilfsaktion bezüglich der Abgabe der Grundsteuererklärung durchgeführt hat. Aber: Das ganze Prozedere um diese Erklärung ist für mich eine weitere Bestätigung dafür, dass unser Staat gelegentlich bei seiner Fürsorgepflicht versagt und seinen Bürgern unnötiger Weise Lebenszeit und Nerven stiehlt. Von der ignoranten Ausgrenzung der Älteren durch die Anordnung digitalen Zwangs ganz zu schweigen. Hauptsache, der Amtsschimmel darf mal wieder kräftig wiehern.

Warum, fragen sich viele, schickt man die Aufforderung zur Abgabe analog, sogar mit Daten-Stammblatt als Anhang und fordert dann einen umständlichen Elster-Daten-Marathon? Einfacher und weniger Ressourcen raubend wäre es doch gewesen, die dem Amt ohnehin vorliegenden Daten mitzuteilen mit dem Hinweis, sie automatisch zu übernehmen, falls innerhalb einer gesetzten Frist keine Änderungsrückmeldung erfolgt. Fazit: Die „hypertrophe“, sprich überbordende Bürokratie, um Helmut Schmidt zu zitieren, überzieht unser Land immer mehr wie eine giftige Algenblüte …

Es ist ja begrüßenswert, dass sich der Trierische Volksfreund dieses Themas annimmt, aber so einfach, wie Ihr Autor (siehe „So schaffen Sie leicht die Grundsteuererklärung“ TV vom 21. Juli) das darstellt, ist es leider nicht. Ich quäle mich jetzt schon zum wiederholten Male durch meinen bestehenden Elster-Zugang in die Anleitungen zur Feststellung des Grundsteuerwerts sowie der umfangreichen Formulare und stehe nicht alleine diesem Ungemach gegenüber, wie man allerorten liest und hört.

Selbst Fachleute wie Steuerberater werden geschult, um sich durch die vielen Fragen, teils im Amtsdeutsch, zu navigieren. Wie soll der ungeübte Bürger mit diesen Anforderungen fertig werden?

Es fängt schon damit an, dass es fast unmöglich ist, sich in dem Wust der Elster-Anleitungen schnell und unkompliziert sachkundig zu machen. Viel zu kompliziert ist die Elster-Plattform zur Abgabe der Feststellungserklärung. 

Es fehlt am einfachsten, nämlich, die Formulare auf Anhieb zu finden, abzuspeichern und blanco auszudrucken. Dann könnte man sich in die Fragestellungen einlesen und vorbereitende Informationen zusammentragen, bevor man anschließend „online“ geht, um schließlich das Ganze an die Elster-Plattform  zu senden.

So sind zum Beispiel auch mehrere Versuche von mir gescheitert, telefonische Hilfe vom Wohnsitzfinanzamt zu diversen Fragestellungen zu erhalten. Entweder hängt man in der Warteschleife, oder man wird aufgefordert, es später noch einmal zu versuchen, oder man schreibt eine E-Mail.

Viele Finanzämter sind offensichtlich vom Umfang der Rückfragen und Beschwerden total überfordert. Meine E-Mail an das Finanzamt Trier blieb zum Beispiel unbeantwortet!

Die Verantwortlichen der Grundsteuerreform sitzen in Berlin und in den Bundesländern.  Die Politik und sogenannte Experten haben es mal wieder geschafft, mit diesem Moloch den Immobilienbesitzern eine meines Erachtens unvertretbare Arbeit aufzubürden, wobei die überwiegenden Daten und Fakten doch ohnehin in den einzelnen Verwaltungsebenen von der Kommune bis in die Bundesverwaltung vorliegen.

Wenn man sich an Reformen wagt, dann aber bitte schön auch die Arbeit von staatlicher Seite leisten und nicht alles dem Steuerzahler aufbürden. Ganz abgesehen vom engen Zeitrahmen, der für die Grundsteuererklärung vorgesehen ist.

Auch wage ich die Prognose, dass die Reform keine Entlastung oder mehr Steuergerechtigkeit auf Seiten der Steuerzahler bringen wird.

Die Kommunen werden je nach Finanzsituation ihre Hebesätze der Grundsteuer B erhöhen. Die Stadt Trier ist bereits vorgeprescht, was hoffentlich wenige Nachahmer findet.