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Leserbriefe: Kahlschlag in der Notfallversorgung

Leserbriefe : Kahlschlag in der Notfallversorgung

Zu den Artikeln „Notaufnahmen sollen künftig nur noch echte Notfälle behandeln“ und „Notfälle sollen zum Tresen gehen“ (TV vom 16. März) schreiben Mariza Oliveira Galvao und Bernd Libeaux:

Ja, der Patientenansturm stellt ein gewaltiges Problem für die Krankenhäuser und ihre Notaufnahmen dar. Jeder, der dort arbeitet, ob Pflegekraft oder Arzt, kann ein Lied davon singen. Seit langem wirbt der Marburger Bund dafür, die Versorgung von Notfallpatienten unter das Motto „Gemeinsam für eine Notfallversorgung aus einer Hand“ zu stellen.

Dafür müssen sich Krankenhäuser und kassenärztliche Vereinigungen als gemeinsame Gestalter einer solchen Versorgung sehen. Notwendig ist hier, dass eine gemeinsame Ersteinschätzung jedes Patienten stattfindet und der Patient in die für ihn am besten geeignete Einrichtung gelangt, sei es Arztpraxis, kassenärztlicher Bereitschaftsdienst oder Krankenhaus. Dafür müssen aber auch die notwendigen Voraussetzungen von der Politik geschaffen werden.

Gefährdet wird das System aber durch jetzt bekannt gewordene Pläne des Gemeinsamen Bundesausschusses (GBA), ein vierstufiges System der Notfallversorgung in Krankenhäusern verpflichtend einzuführen. Dabei sind die Voraussetzungen, um überhaupt an der Versorgung teilnehmen zu dürfen, so hoch gehängt, dass in Rheinland-Pfalz im schlimmsten Fall von 94 Kliniken nur 27 Krankenhäuser überhaupt noch Notfallpatienten versorgen dürfen, im Trierer Raum nicht mal mehr eine Handvoll.

Was dies für ländlich strukturierte Räume wie Eifel und Hunsrück bedeutet, mag man sich gar nicht vorstellen, besonders was die dann notwendigen Wegstrecken für den Rettungsdienst bis zu einem zugelassenen Krankenhaus betrifft. Es würde auch die groteske Situation auftreten, dass Krankenhäuser verpflichtet wären, Notärzte zu stellen, aber keine Notfallpatienten behandeln dürfen.

Der GBA begründet seinen Plan mit einer qualitativ besseren Versorgung von Notfallpatienten in spezialisierten Zentren. Man kann sich aber des Eindrucks nicht erwehren, dass auch diese Maßnahme dazu dienen soll, kleineren Krankenhäusern die wirtschaftliche Existenzgrundlage zu entziehen. Es gibt ja angeblich in Deutschland viel zu viele Krankenhäuser!

Rätselhaft bleibt auch, wie die wenigen für die Notfallversorgung übrig bleibenden Krankenhäuser die dann zusätzlich anfallenden Notfallpatienten versorgen sollen (siehe oben!).

Der GBA muss dringend seine Pläne überarbeiten, sonst droht ein gewaltiger Kahlschlag in der Notfallversorgung!

Mariza Oliveira Galvao, Bezirksvorsitzende Trier, Marburger Bund

Bernd Libeaux, stellvertr. Bezirksvorsitzender Trier, Marburger Bund