leserbriefe: Kaltschnäuzige Taktik

leserbriefe : Kaltschnäuzige Taktik

Zur Berichterstattung über den  Präsidenten der USA schreibt Heinz Erschens:

Donald Trump verursacht ein tiefes Misstrauen auf der Welt. Er sieht nicht ein, dass in der Weltordnung Länder, die nicht nach seiner Pfeife tanzen, ungestraft Handel treiben dürfen. Für ihn kommt die Moral erst dann zum Zuge, wenn der Preis stimmt. Im Glamour seines bisherigen Lebens war er es gewohnt, Sieger zu sein. Ein Sieger braucht keinen Kompromiss. In den Heilserwartungen charismatischer Persönlichkeiten vollzieht sich in Amerika eine Mutation. Die amerikanische Gesellschaft unter Trump nimmt es hin, dass die Starken satt sind und die Schwachen hungrig. Der geltende Wertekanon „America first“ lässt den Tanz ums Goldene Kalb mit einer anderen Dur-Tonart erklingen, wobei die Nadelstreifen der Wall Street weiterhin den Takt bestimmen.

Das funktioniert aber nur, wenn in den Elfenbeintürmen der amerikanischen Denkfabriken ständig neue Feindbilder und apokalyptische Szenarien erfunden werden, damit der messbare Indikator für die Wertschöpfung und Wohlstandsmehrung der Führungseliten nicht versiegt. Mit diesem „New Deal“ müssen sich die europäischen Nationen beschäftigen, um nicht von den protektionistischen und dirigistischen Maßnahmen Amerikas auseinanderzudriften. Jetzt rächt es sich, dass die europäischen Nationen den Aufbau eines unabhängigen Wirtschaftsraumes verhindert haben. Charismatisch demagogische Populisten mit ultranationalen Parolen tun das Ihrige dazu. Die zerstrittenen Staaten von Europa lassen sich nun mal leichter domestizieren und sind auch bessere Vasallen. Diese kaltschnäuzige Taktik des Weißen Hauses wird auch vom neuen Botschafter der USA in Deutschland unmissverständlich verkündet und  verfolgt.

Trumps Amerika braucht die Zivilisation nicht nach Europa zu bringen, sondern sollte es der Zivilisation erlauben, nach Amerika zurückzukehren.

Heinz Erschens, Kell am See

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