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Karfreitag-Kultur in Bernkastel-Kues enttäuscht

Kultur

Zum Angebot an Karfreitag in Bernkastel-Kues:

Dr. Michael Meyer hatte in seiner Eigenschaft als Dekanatskantor für den Karfreitag die Vertonung der Kreuzweg-Andacht von Franz List realisiert. Sein Chor überzeugte ebenso wie der Solo-Bassist Gerd Elsen in gewohnter Weise. Nicht so gut gelungen war die Rolle der Orgel, denn fast alle Orgel-Solo-Partien waren von ermüdender Langsamkeit und Leere geprägt. Meist waren sie (zu) wenig harmonisch unterlegt.  Allzu verbreitet kamen auch ganz einstimmige und quälend langsame Orgel-Pfeifen-Seqenzen zu Gehör, die weder einer günstigen Vorstellung der sicherlich wertvollen und – richtig eingesetzt – wohlklingenden Orgel in der Kueser Pfarrkirche, noch der Erbauung der Zuhörer dienten. Man hätte sich gewünscht, solche Sequenzen zum Beispiel mit einem Solo-Streichinstrument oder auch einem Blasinstrument zu besetzen; eine Freiheit, die Franz List ausdrücklich erlaubt hatte. So aber mussten die einzelnen Töne wie maschinell in den Raum gestellt klingen und teilweise – auch weil recht schrill – auch nerven. Einzig versöhnlich die Chorsequenzen, vor allem dann, wenn alle vier Stimmen großartige, dem Thema gut gerecht werdende Chorsätze vortrugen, auch mit der in diesen Teilen gut registrierten und damit den Chor in bestem Sinne vervollständigenden Orgel.

Auch wenn diese Kritik in erster Linie dem Komponisten aus längst vergangenen Zeiten gilt, so sollte sie dennoch erlaubt sein. Ebenso wie die Hoffnung, dass Dr. Michael Meyer bei anderen Anlässen auch mit seiner Orgel wieder wie gewohnt glänzen kann. 

Walter Philipps, Bernkastel-Kues