Katholische Kirche

Zum Artikel "Trierer Bischof stellt sich Kritikern: Fehler ja, Rücktritt nein" (TV vom 12. Januar) diese Zuschriften:

Zum Glück hat der Kollege Kühne den abwegigen, ja absurden Guantanamo-Vergleich des Trie rer Bischofs gerügt. Allerdings ist die Korrektur des Bistumssprechers ein Eigentor: "Der Bischof wollte sagen, dass man die Priester nicht einfach wegsperren kann." Jeder "gewöhnliche" Sexualstraftäter wird zu Recht weggesperrt. Hat man das Glück, dem Klerus anzugehören, sind - wie im vorliegenden Fall aus den 90er Jahren - keine Sanktionen zu befürchten. Der Täter blieb in Amt und Würden. Nimmt man alle Zitate im TV-Bericht zusammen, sieht man, dass die Fürsorge des Oberhirten den Tätern gilt, mit denen man ungemein pfleglich umgeht - im Gegensatz zu den Opfern. Es seien keine "Unmenschen". Was ist denn ein Priester, der sich Kraft seines Amtes auf "unseren Herrn Jesus Christus" beruft, sich aber an Schutzbefohlenen, an unschuldigen Kinderseelen vergreift und ihnen lebenslang nachwirkenden Schaden zufügt? Der Hilferuf der Ministrantin in Saarbrücken blieb vom damaligen Trierer Bischof unbeantwortet, stattdessen wurde sie massiv eingeschüchtert und zum Schweigen gebracht (Frankfurter Rundschau, 8. Dezember 2011). Der Bischof spricht von "Nulltoleranz gegenüber den Verbrechen", aber er scheint immer noch nach einem Weg zu suchen, die Schuldigen zu bestrafen, ohne dass es wehtut ... Prof. Dr. Jörg Hasler, Mertesdorf Wenn ich darüber nachdenke, wie es in einem Betroffenen (Opfer) bezüglich eines Missbrauchs aussehen könnte, kommt mir Folgendes in den Sinn: Angst, Verletzung, Traurigkeit, Wut. Vermutlich sieht es im Täter aber auch nicht viel anders aus. Bei ihm kommt vielleicht noch hinzu, dass er sich allein fühlt - von Gott verlassen. In gewisser Weise dürfte das auch stimmen. Nur hat er selbst den Raum der Liebe Gottes verlassen. Und ihm dürfte nun bewusst sein, dass er krank ist, hat er doch - erkennbar - nicht mit klarem Verstand und liebevollem Herzen gehandelt. Wie sieht es in uns aus, die wir von außen beurteilen und vielleicht sogar verurteilen wollen? Wie mag es in Bischof Stephan aussehen, der es sich wahrlich nicht leicht macht und immer wieder neu versucht, Klarheit in Situationen zu bringen, die im Moment undurchsichtig scheinen? Mir tut sich auch die Frage auf, wie wir als Christen in "geschwisterlicher" Form aktiv werden können, um Hilfe zu leisten. Vielleicht ließe sich ja eine Art Patenschaft ausbauen. Ehrenamtliche könnten sich der Opfer annehmen und mit ihnen ein Stück ihres Weges gehen. Durch Begleitung bei der Aufarbeitung helfen, signalisieren: Du bist nicht allein, ich helfe dir, ich bestärke dich. Was den/die Täter betrifft, so sollten wir uns doch nicht als Richter der Welt aufspielen, sondern viel eher Gottvertrauen walten lassen. In diesem Vertrauen dürfen wir auch hoffen, dass bezüglich dieser Straftaten verantwortungsvolle Entscheidungen getroffen werden (hier kann man nicht mal eben im Nullkommanix die Universal-Lösung auf den Tisch legen). Es will doch wohl niemand behaupten, dass die Liebe Gottes nicht durch Bischof Stephan wirksam wird! Sollten wir nicht alle darum bemüht sein, der Liebe Gottes Ausdruck zu verleihen? Oder wollen wir uns am Ende selbst schuldig machen? Wie war das noch mal mit dem Werfen des ersten Steins? Agnes Briem, Trierweiler So ist das in der neuen Zeit. Nachdem unser Bundespräsident zwar Fehler eingeräumt hat und trotzdem nicht an einen Rücktritt denkt, macht es unser Trierer Bischof ihm gleich nach: Fehler ja, Rücktritt nein. Warum haben unsere Entscheidungsträger heute kein Rückgrat (mehr)? Wenn man einen Fehler gemacht hat, muss man doch nach meiner Überzeugung auch die Konsequenzen tragen. Weit gefehlt. Dies erinnert mich an folgenden Kalauer: Der Patient wacht aus der Narkose auf, und der Chirurg teilt ihm mit: "Entschuldigung, wir haben Ihnen aus Versehen das falsche Bein abgenommen. Aber bitte ganz, ganz schnell wieder in den Operationssaal, damit wir Ihnen das richtige Bein abnehmen können." Kein Zeichen von Schuldanerkenntnis; zurück zur (vermeintlichen) Tagesordnung. So kann man sich in diesen Herren täuschen. Bernd Lehmann, Trier Was sind die Gemeinsamkeiten zwischen Bundespräsident Wulff und Bischof Ackermann? Gegenüber ihren Kritikern verhalten sich beide gleich: Fehler ja, Rücktritt nein. Und weiter: Die Presse braucht beide. Walter Krug, Trier