Katholische kirche

Zum Beitrag "Der Papst der deutlichen Worte" (TV vom 21./22. September) und zur Diskussion über den Kurs des Pontifex hin zu mehr Transparenz:

Die Überschrift über diesem Artikel im Trierischen Volksfreund ist sehr irritierend. Sie bezieht sich inhaltlich auf ein Interview, das Papst Franziskus der Jesuitenzeitschrift "Civiltà Cattolica" gegeben hat. Dort steht aber: "Wir können uns nicht nur mit der Frage um die Abtreibung befassen, mit homosexuellen Ehen, mit den Verhütungsmethoden. Das geht nicht. Ich habe nicht viel über diese Sachen gesprochen." Danach aber verspricht der Papst in dem Interview mit "Civiltà Cattolica", in Zukunft auf deutliche Worte zu verzichten. Dieses ist sehr irritierend, weil Franziskus zukünftig offensichtlich schweigen will zu den brennenden moralischen Fragen der Menschheit. Er entfernt sich damit erkennbar aus der Kontinuität seiner Vorgänger. So warnte Johannes Paul II. im Zusammenhang mit der Abtreibung vor einer Kultur des Todes, und Benedikt XVI. hat diese Auffassung vollumfänglich bestätigt. Noch am Neujahrstag 2013 sprach Benedikt XVI. in seiner Botschaft zum Tag des Friedens davon, dass "Abtreibung und Homo-Ehe" den Frieden zerstören. Beide Päpste sprachen diese warnenden Worte an die Menschheit in der Sorge um den Verlust der generellen Menschenwürde. Es ist erschreckend, dass Franziskus diese moralische Position jetzt räumt und die Stimme der Kirche als das Gewissen der Welt zum Schweigen bringen will, um einen falschen Frieden mit der Welt zu erreichen. Ein beeindruckendes Zeugnis für den Glauben - wie Erzbischof Robert Zollitsch, der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz meint - sieht anders aus. Die berechtigte Grundsatzfrage des Gläubigen lautet doch, wenn Johannes Paul II., Benedikt XVI. und ihre Vorgänger in ihren Aussagen zur Abtreibung, Homosexualität und Familie in der Kraft des Heiligen Geistes gesprochen haben, von welchem Geist ist dann heute Franziskus beseelt, wenn er zu denselben Themen schweigt? Alle, die heute ob des Interviews von Franziskus jubeln, sollten erkennen, dass die Kirche an dieser Frage zerbrechen kann. Dr. Dieter Fasen, Hillesheim