KATHOLISCHE KIRCHE

Zu den Leserbriefen über den Rauswurf eines als Indianer verkleideten Jungen aus dem Trierer Dom (TV vom 19., 20., 25. Feb.):

Mit Unverständnis und teilweise Entsetzen habe ich die Zuschriften gelesen. Der veranlassende Domaufseher sei nicht tragbar, solle getadelt, in den Ruhestand versetzt oder entlassen werden. Welch ein Zynismus! Der gute Mann hat nur nach gutem Glauben und Gewissen gehandelt. Ich selbst bin kein Kirchgänger und stehe Religion sehr kritisch gegenüber. Aber ich habe Achtung gegenüber den Anschauungen und Glauben anderer. Sehr gerne suche ich Kirchen aller Glaubensrichtungen auf und erfreue mich an den geschichtlich und kulturell beeindruckenden Bauten und Einrichtungen. Nie käme mir in den Sinn, eine Kirche in unangemessener Kleidung zu besuchen oder eine Moschee in Straßenschuhen zu betreten oder mich unangemessen zu verhalten. Respekt vor den Gläubigen ist oberstes Gebot. Darum wäre mir auch nie eingefallen, mein Kind maskiert in den Dom zu bringen und den (für mich) berechtigten Hinauswurf auch noch publik zu machen. Wenn Geistliche "Karnevalsgottesdienste" mit maskierten Narren feiern, so ist dies in Ordnung, denn die Feier ist zeitlich begrenzt und öffentlich gemacht. Wer dies nicht mittragen will, kann sich ja ausschließen. Anders in dem oben geschilderten Fall. Leider lassen viele Erziehungsberechtigte eine Werte erziehung bei ihren Kindern vermissen oder können sie nicht vermitteln, da die Erziehenden selbst diese Werte nicht verinnerlicht haben. Und so wird ein unschuldiges "Indianerkind" vor den Karren gespannt, um einen herzlosen Kirchenmann anzuprangern. Eberhard Kohl, Wittlich