katholische kirche

Zum Artikel "Papst geißelt Leben nach dem Lustprinzip" (TV vom 20. Juni):

Meinung

Fundamentalistisch, reaktionär, intolerant
Joseph Ratzinger alias Papst Benedikt XVI. hat am 19. Juni in San Marino den Hedonismus verurteilt. Richtig ist daran, dass die vulgärepikuräische Auffassung, das ganze Leben solle nur aus Spaß und der ewigen Jagd nach Vergnügen bestehen (was der griechische Philosoph Epikur auch nicht gemeint hat), sicher falsch ist. Aber Ratzinger wollte offenbar nicht nur den Vulgär epikurä ismus angreifen, sondern die Aufklärung, die sich zuerst in der Französischen Revolution durchsetzte und auf der alle anderen Staaten beruhen. Anders ist jedenfalls nicht zu verstehen, warum er zugleich auch die Ansicht verurteilt hat, "wonach der Schatz des Menschen nicht sein Glaube sei, sondern seine persönliche und soziale Macht, seine Intelligenz, seine Kultur und seine Fähigkeit, die Wirklichkeit wissenschaftlich, technologisch und sozial zu manipulieren". Abgesehen davon, dass Ratzingers Sprache selbst manipulativ ist, frage ich mich, wie man die Wirklichkeit manipulieren können soll. Was der Papst sagt, bedeutet nichts anderes als: Kultur, Wissenschaft, technische und soziale Errungenschaften sind nur weltlicher Tand, das einzig Wichtige ist der Glaube - Hauptsache, gut katholisch und dem Papst gehorsam! Im Grunde zeigt sich hier die gleiche fundamentalistische, reaktionäre und intolerante Einstellung wie zum Beispiel bei den Taliban. Gott sei Dank aber hat der Papst heute keine weltliche Macht mehr außerhalb des Vatikans und auch keine Divisionen. Und katholische Selbstmordattentäter gibt es zum Glück bisher auch nicht. Robert Seidenath, Gusterath

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