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leserbriefe
Kaum zu überbietende Arroganz

Zum Artikel „Kritiker der Bistumsreform protestieren vor dem Trierer Dom“ und weiteren Beiträgen zum Thema (TV vom 12. Sept.) schreibt Ämilius Richter:

Länger war schon die Rede davon, jetzt wird’s konkret: Die Gläubigen begehren auf. Diesmal gegen eine Strukturreform, die mit allen Mitteln durchgesetzt werden soll. Aber wozu eigentlich noch mal diese dubiose Strukturreform? Ach ja, weil es die Synode so wollte! Oder – bedenkt man nämlich, dass in dem gelegentlich erwähnten und wenig bekannten Synodenabschlussdokument gar nichts von 35 XXL-Pfarreien steht – etwa doch nicht!? Wer die Zusammenhänge kennt, weiß ja längst, worum es hier eigentlich geht, einen Ausbau bischöflicher Macht zulasten der örtlichen Gemeinden und eine zentralisierende Bündelung kirchlicher Verwaltungskompetenzen in der Hand einiger weniger (mit anderen Worten: Oligarchie). Auch wenn es der Bischof nicht gerne hört – jede Infragestellung wird inzwischen als Majestätsbeleidigung aufgefasst – und lieber die Augen vor der Realität verschließt: Die geplante Reform wird weder dazu führen, dass sich Massen Freiwilliger als „Ehrenamtliche“ akquirieren ließen – eher das Gegenteil ist der Fall –, noch werden sich die bestehenden Probleme – die an Massivität kaum zu übertreffen sind – dadurch lösen lassen. Im Gegenteil werden die XXL-Pfarreien die steigende Anonymität begünstigen und die bereits bestehende, weiter um sich greifende Gleichgültigkeit gegenüber dem „System Kirche“ fördern. Für wirkliche Seelsorge bleibt da wohl kein Platz mehr. So taumelt ein ganzes Bistum in ungewisse Zukunft, in Wirklichkeit tief gespalten – es ist kein Geheimnis, dass zahlreiche Kleriker und Laien der Reform skeptisch gegenüberstehen –, um sich selbst und den Bischof – nicht aber um die eigentliche Mitte der Kirche: Jesus Christus – kreisend. Dass ein Bischof, dem tausendfacher Protest entgegenbrandet, die Signale einfach nicht hören will und stur seinen geplanten Weg geht, ist Ausdruck haushoher, kaum zu überbietender Arroganz. Aber wer weiß, vielleicht besinnt er sich noch eines Besseren. Ansonsten wird man wohl oder übel sagen müssen: Ein Ackermann ist eben kein Hirte!

Ämilius Richter, Trier