Kein ernster Störfall

Zum Artikel "Eruption in der Sommerpause" (TV vom 2. August):

Die Namen "Vattenfall" und "Krümmel" stehen für Informationsfehler. Doch ein ernster Störfall war es nicht. Diese Panne wurde in allen Medien zu einem gefährlichen Ereignis hochstilisiert - als die Kernenergie, die kein CO{-2} produziert, in der Bevölkerung zunehmende Akzeptanz erfuhr. Obgleich deutsche Kernkraftwerke, dank Nachrüstung, zu den sichersten der Welt gehören, sind sie den neuesten in Finnland und Frankreich gebauten Werken unterlegen. Um der Kernenergie in Deutschland den Garaus zu machen, hat man 2001 den öffentlichen Forschungseinrichtungen verboten, die Kernenergietechnik weiterzuentwickeln. Man nimmt den Klimaschutz nicht ernst, denn Klimakiller Nummer eins ist der Kohlendioxidgehalt der Luft, der durch die Stein- und Braunkohlekraftwerke verursacht wird (40 Prozent der Energiegewinnung). Da man in Deutschland die Laufzeiten der Kernkraftwerke wahrscheinlich nicht verlängern will, obgleich sie versorgungssicheren und preiswerten Strom ohne CO{-2} -Emission produzieren, setzt Umweltminister Gabriel auf Kohlekraftwerke, für deren Umrüstung und Neubau 45 Anträge vorliegen. So ist etwa in Mainz ein Kohlekraftwerk mit 750 Megawatt geplant und eines mit 900 Megawatt in Mannheim. 49 Professoren der Uni Mainz, darunter Nobelpreisträger Prof. Crutzen, protestieren gegen diese CO{-2}-Dreckschleudern. Weitsichtigere Länder nehmen die Verpflichtung ernster, Treibhausgase zu reduzieren. So zeichnet sich in Belgien eine Verlängerung der Laufzeiten der Kernkraftwerke über das Jahr 2025 ab, dank eines Sachverständigenrats. Da Belgien 60 Prozent seines Stroms aus sieben Atomreaktoren bezieht, würde deren Abschalten zu einer Verdopplung der Strompreise und einer Nichteinhaltung der CO{-2}-Verringerung führen. Deutschland verfolgt als einziger G8-Staat eine Energiepolitik, welche die Strompreise hochtreibt zum Nachteil der Bevölkerung und der Wettbewerbsfähigkeit des Standorts.Marie-Luise Niewodniczanska, Bitburg Energie