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Tiere: Kein Grund zur Panik

Tiere : Kein Grund zur Panik

Zur Berichterstattung und zu Leserbriefen über die Rückkehr des Wolfs in die Region schreibt Robert Seidenath:

Wölfe sind Raubtiere, die sich überwiegend von Fleisch ernähren, das ist wahr. Aber eine ernsthafte Bedrohung für den Menschen und die Weidewirtschaft sind sie nicht: Von Menschen halten Wölfe lieber Abstand, und Weidevieh kann durch Zäune, Herdenschutzhunde oder Esel wirksam vor Wölfen geschützt werden. Eine Überpopulation von Wölfen ist nicht zu befürchten. Die Rudel können nicht beliebig groß werden, da sie immer aus einem Elternpaar und seinen Kindern bestehen. Wölfe sind Familientiere, und die älteren, noch nicht erwachsenen Jungwölfe jagen nicht nur gemeinsam mit ihren Eltern, sondern kümmern sich auch um ihre jüngeren Geschwister. Wenn sie erwachsen sind, verlassen sie ihre Familie, um eigene Familien zu gründen. In dieser Zeit durchstreifen sie einzeln die Landschaft auf der Suche nach freien Jagdrevieren und kommen oft unvermeidlich in die Nähe menschlicher Siedlungen oder durchqueren sie – kein Grund zur Panik! Wenn alle geeigneten Reviere besetzt sind – was noch lange nicht der Fall ist – wird der Wolfsbestand nicht weiter wachsen.

Trotz möglicher einzelner Verluste von Weidevieh kann der Mensch von den Wölfen nur profitieren. Dass der Wald wächst, wo der Wolf jagt, ist schon lange bekannt. Eine Reduzierung der überhöhten Schalenwildbestände würde unseren Wäldern guttun, und für die Jäger bliebe trotzdem genug Wild übrig. Untersuchungen in nordamerikanischen Nationalparks zeigen, dass die Artenvielfalt zunimmt und die ökologischen Strukturen sich verbessern, wenn die Wölfe zurückkehren. Auch die Landwirtschaft würde von einem geringeren Wildschweinbestand profitieren. Heißen wir also den Wolf willkommen!

Robert Seidenath, Gusterath