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Gesundheit: Kein Hexenwerk!

Gesundheit : Kein Hexenwerk!

Zur Berichterstattung über die Corona-Pandemie, insbesondere zur Impfkampagne, schreiben Rainer Weinand, Hans-Joachim Spang, Horst Hautz, Viktoria Karls, Beate Märtin, Klaus und Marie-Luise Wasmer, Heribert Hanck, Martin Sievers, Kurt Weiser, Achim Ochs, Walburga Rink und Manfred Becker:

Wieder einmal zeigt sich, dass die Verantwortlichen in Deutschland nichts auf die Reihe bringen. Seit mehr als neun Monaten kämpfen wir mit der Corona-Pandemie, und was haben unsere Politiker seitdem geregelt? Zumindest nichts, was wirklich wichtig wäre und in der Priorität ganz oben stehen müsste. Das Thema „Impfen“ scheint sich zu einem nicht enden wollenden Drama auszuweiten. Zu wenig Impfstoff bestellt und das auch noch zu spät. Und das, obwohl offenbar die Firma Biontech-Pfizer der Bundesregierung die Lieferung größerer Mengen angeboten hatte. Mit Verweis auf eine einvernehmliche europäische Lösung hat Gesundheitsminister Jens Spahn dankend abgelehnt. Ein großer Fehler, denn wie sich jetzt herausstellt, werden wir in den nächsten Monaten bei weitem nicht genügend Impfdosen für alle Impfwilligen zur Verfügung haben. Was dann gleich zum nächsten Thema führt, die Anmeldung zur Impfung. Obwohl bereits vor Monaten bekannt war, dass Impfstoffe in absehbarer Zeit verfügbar sein würden, hat man mit dem Aufbau der Logistik erst auf den letzten Drücker angefangen. Auch das Verfahren, die Termine zu vergeben, grenzt an eine Frechheit. Wieso hat man nicht schon vor Wochen oder Monaten eine entsprechende Datenbank aufgebaut, in der sich jeder Impfwillige hätte eintragen lassen können? Ein solches System wäre, Fachkenntnisse und entsprechende PC-Systeme vorausgesetzt, innerhalb kürzester Zeit aufzubauen gewesen. Hier hätte man gleich eine automatisierte Priorisierung der angemeldeten Personen vornehmen können und bei Unklarheiten diese noch manuell klären können. Dann wäre es aber möglich gewesen, den Menschen, die sich impfen lassen wollen, frühzeitig einen Termin mitzuteilen. Dass aber derzeit selbst chronisch Kranke noch keinen Termin buchen können, weil man ja die ältesten Menschen zuerst impfen will, ist ein schlechter Witz.

Welch ein Irrsinn, dass ein hochmodernes Land wie Deutschland nicht in der Lage ist, die digitalen Möglichkeiten zu nutzen und ein vernünftiges, funktionierendes System aufzubauen. Man kommt sich vor, als lebte man im finstersten Mittelalter. Es würde mich nicht wundern, wenn die Termine auf Schiefertafeln aufgeschrieben würden.

Rainer Weinand, Maring-Noviand

Wir befinden uns mit der Pandemie im zivilen Verteidigungsfall. Der Verhaltensforscher Konrad Lorenz hat die acht Todsünden der zivilen Menschheit beschrieben: die Überbevölkerung der Erde, die Verwüstung der natürlichen Lebensräume, der Wettlauf der Menschheit mit sich selbst, der Schwund aller starken Gefühle und Affekte durch Verweichlichung, der genetische Verfall, das Abreißen der Traditionen, die Zunahme der Indoktrinierbarkeit der Menschheit, die Aufrüstung mit Atomwaffen in den 70er Jahren. Der militärische Verteidigungsfall hätte zur Verseuchung geführt und dazu, dass auf deutschem Boden niemand mehr leben kann. In der Corona-Pandemie handelt die politische Führungsschicht entschlossen, um den Teufelskreis des Virus-Angriffs zu stoppen. Die Party- und Handy-Generation muss begreifen, dass es ihrerseits keinen Einspruch der Vernunft auf den Höllensturz gibt. Fazit: Diejenigen, die sich gegen die Wissenschaft plus politische Führung stellen, sollten bitteschön eine Patientenverfügung haben. Verzicht auf Beatmung, wenn es sie trifft. Und das Mitführen von einem eigenem Kadaver-Bag auf dem Rücken bei Demos. Frage: Habt ihr sie noch alle? Demokratie ist gerade, weil sie Freiheit garantiert, die Staatsform, die ihren Bürgern die entscheidende Selbstdisziplin und Selbstverantwortung abverlangen muss, und zwar nicht als Lippenbekenntnis, sondern als politische Tat. Schließlich setzt Demokratie, wenn sie funktionieren soll, nicht nur Mut zur Öffentlichkeit, sondern mehr noch Mut zur Offenheit voraus. Das ist das Ringen in der Regierung, Bundestag, Bundesrat und Landesregierung . Siehe die weltweiten Studien in Forschung des Virus angesichts der wissenschaftlichen Sachverhalte. Neun Monate und fast nichts gelernt.

Hans-Joachim Spang, Welschbillig

Zunächst ist Fakt, dass zu wenig Impfstoff bestellt wurde. Was soll denn das fortwährende Hin und Her? Es gehört Rückgrat dazu, um zu sagen: Wir haben einen Fehler gemacht, aber das sucht man bei manchen Politikern vergebens. Dass einige damit auch noch Wahlkampf betreiben, wo sie doch mit am Entscheidungs- und Bestellungsprozeß beteiligt waren, finde ich ungeheuerlich, allein schon aus Pietät gegenüber den Menschen, die an Covid-19 gestorben sind und noch sterben werden, weil es bei der Impfstoffbeschaffung nicht rundläuft.

Horst Hautz, Nittel

Seit Wochen befinden wir uns im zweiten harten Lockdown, und in diesen zwei Wochen ist verdammt viel passiert. Eine Virus-Mutation wurde entdeckt, die Impfkampagne hat begonnen, an Silvester war es noch nie so ruhig. Doch so langsam stellt sich die Frage: Wie lange geht das noch gut? Wie lange bleiben wir im Status quo, und wenn es Lockerungen gibt, wer hat das Recht, zuerst zur Normalität zurückzukehren? Man könnte es keinem Gastronomen oder Einzelhändler verdenken, wenn dieser lauthals auf schnellstmögliche Wiedereröffnung pochen würde. Komischerweise dreht sich die Debatte gar nicht darum, sondern die bedeutendste Frage scheint jetzt zu sein, wie es mit den Schulen weitergeht, und da frage ich mich ganz ehrlich: warum? Warum sollten ausgerechnet Schulen das Privileg zur Wiedereröffnung haben, während der Einzelhandel und Gastronomie weiterhin die Tore geschlossen halten müssen? Nicht falsch verstehen, Bildung ist ein enorm wichtiges Thema und sollte keinesfalls mit leichtfertigen Entscheidungen abgespeist werden. Doch gerade das digitale Schulsystem hätte seit dem ersten Lockdown im Frühjahr weiter und effizienter ausgebaut werden müssen. Das Versäumnis geht auf die Kappe der Regierung, doch auch ohne bahnbrechende digitale Ausstattungen an Schulen hat das Schulsystem sich von sehr traditionell zu teils digital verbessert.

Präsenzunterricht ist natürlich das Optimum, doch im Vergleich zu Gastronomen, Künstlern und Einzelhändlern hat das Schulsystem einen entscheidenden Vorteil: Schule kann auch ohne Präsenz funktionieren, zwar schlechter, aber es funktioniert, für einen Gastronomen oder Einzelhändler ist das aber nur ein schwacher Trost.

Viktoria Karls, Trier

Wie wahrscheinlich die meisten Menschen überlege auch ich, ob ich, wenn ich dann irgendwann mal „dran bin“, geimpft werden möchte. Selbstverständlich möchte ich weder selber erkranken noch mein relativ stark vorgeschädiges Umfeld gefährden. Genauso gerne würde ich inzwischen auch wieder „mein Ding“ machen, „Freiheit“ schnuppern, gemütlich in einer Gaststätte sitzen, Freunde treffen und mich nicht mehr ständig auf die Einhaltung von Abständen konzentrieren müssen. Ja, die Pandemie selber ist schon eine (zunehmende) Zumutung. Aber was wird mir jetzt als Laie geboten? Zunächst ein extrem schnell entwickelter und durch sämtliche Hürden gepeitschter Impfstoff. Okay, ging nicht anders. Die Reihenfolge der Impfungen (Ältere, medizinisches Personal). Okay, ist nachvollziehbar. Die Tatsache, dass die Impfungen derzeit nur langsam anlaufen, scheint da eher eine Sinnlos-Diskussion zu sein und ist für mich nicht relevant; zumal die Zahl der zur Verfügung stehenden Impfdosen schon länger bekannt ist.

Die Diskussion rund um das Thema der RNA-Impfstoffe versuche ich nachzuvollziehen, eine Risikoeinschätzung kann ich nicht leisten. Durchaus bemerkenswert sind für mich hier aber unterschiedliche Stellungnahmen von Medizinern.

Die Diskussion zur möglichen Verschiebung der zweiten Impfung verstehe ich absolut nicht. Mein mühsam erreichtes Vertrauen schwindet, je mehr ich erfahre. Liege ich richtig, wenn ich feststelle, dass keiner genau weiß, wer wie lange durch die Impfungen immunisiert wird? Verstehe ich es richtig, dass Biontech/Pfizer (und nicht nur die) nur die bisher angegebene Impffolge erforscht haben? Liege ich richtig, wenn jetzt einige (lediglich) „hoffen“, dass, wenn mehr Personen die Erstimpfung bekommen, möglicherweise schwerere Verläufe verhindert werden? Könnte es aber auch sein, dass durch eine solche Verschiebung die ganze Impferei zur Farce wird? Unterliegen die so Geimpften der Gefahr, dass sie in kurzer Zeit die Impfung wiederholen müssen? Dann hätten wir doch schon mittelfristig nichts gewonnen und bräuchten im Ergebnis auch viel mehr Impfstoff, oder? Bis zu einem gewissen Grad würde ich hier in Abwägung der Vor- und Nachteile den Massenversuch ja mitmachen; jetzt habe ich aber arge Zweifel, ob ich meinem Körper unter diesen möglichen (mal wieder) neuen Bedingungen das Risiko noch zumuten kann!

Beate Märtin, Trier

Zum Leserbrief von Sabine Krell unter der Überschrift „Wie in einem Historienfilm“ (TV vom 6. Januar) über die Terminvergabe für Corona-Impfungen:

Wir haben sehr gute Erfahrungen gemacht. Wir haben am Dienstag, 5. Januar, morgens per Mail einen Antrag für einen Impftermin gestellt und schon am selben Tag um 20.49 Uhr eine Mail mit dem ersten und zweiten Impftermin bekommen. So schnell hatten wir nicht mit einer positiven Antwort gerechnet. Wir sind der Meinung: Man kann ja nicht immer nur kritisieren. Wir finden, dass viel zu viel gemeckert wird und nie gelobt!

Klaus und Marie-Luise Wasmer, Bernkastel-Kues

Wenn Ebay, Amazon & Co. ihre Web-Seiten so gestaltet hätten wie impftermin.rlp.de, hätten sie bis heute keinen nennenswerten Umsatz gemacht.

Heribert Hanck, Trier

Zum Artikel „Meine 80-jährige Mutter ist nicht schwanger!“ (TV vom 9./10. Januar):

Das Onlinesystem für die Vergabe von Impfterminen in Rheinland-Pfalz mag für Rolf Seydewitz eine „perfekte Alternative zur telefonischen Warteschleife sein“. Ich wäre da wesentlich zurückhaltender. Wesentlich besser wäre aus meiner Sicht ein System, bei dem ich Zeitfenster wie „vormittags“, „nachmittags“, eventuell sogar noch genauer spezifiziert und auch nach Wochentagen getrennt, angeben kann und anschließend ohne Verzögerung „vom Computer“ einen Terminvorschlag angezeigt bekomme, den ich annehmen oder sogar noch anpassen kann. Solche Buchungssysteme sind kein Hexenwerk, viele von uns kennen sie aus unterschiedlichen Onlinegeschäften. Sie wären eine kleine, aber feine Verbesserung, um noch schneller Impfungen anzubieten. Leider lässt Rheinland-Pfalz wie schon beim Thema Fernunterricht zu oft einen professionellen Ansatz in IT-Fragen vermissen.

Martin Sievers, Trier

Etwas mehr Gelassenheit – bei aller Vorsicht angesichts der Gefahr – wäre schön schön. Da regt man sich auf über die Frage im standardisierten Fragebogen nach einer eventuellen Schwangerschaft und der Volksfreund verstärkt diese Aufregung. Jeder Fragebögen beim ersten Besuch in einer Arztpraxis enthält diese Frage, als 85-jähriger Mann habe ich sie oft gelesen und naturgemäss übergangen. Auch ich hing in der Warteschlange zur Anmeldung zum Impfen, doch ich bekam die Termine, wenn auch etwas verzögert. Mein Respekt gilt denen, die dies alles planen und bewältigen müssen, ohne auf Erfahrungen zurückgreifen zu können. Also bitte, etwas weniger aufregen und klagen, etwas mehr anerkennen, was derzeit geleistet wird.

Kurt Weiser, Herforst

Die Terminbeschaffung für die Corona-Impfung für meine Schwiegermutter (90 plus) ging völlig problemlos vonstatten! Sogar zum frühestmöglichen Termin! Einfach die Webseite aufgerufen, wenige Daten eingetragen, Vorgangsnummer erhalten, nach drei Tagen Termine bekommen. Absolut keine Hexerei! Wer sich in der Telefonhotline verloren fühlt, einfach mal den Enkel/Nachbarn/Pfarrer bitten, das im Internet zu erledigen, auch das ist keine Hexerei.

Nebenbei: Die ständige Kritik, dass jedes Bundesland die Anmeldung „anders“ regelt, ist doch Unfug! Zur Anmeldung benötigt man nur eine Telefonnummer oder Internet-Adresse! Es ist egal, ob das Nachbarland eine andere Nummer nutzt, man braucht nur EINE!

Auch das ständige Wiederholen „Es muß mehr informiert werden“ ist unerträglich! Ein Tipp für jeden: 1. Lesen (Zeitung!) 2. Hören (Deutschlandradio, SWR) 3. Fragen (den Hausarzt oder sonst jemanden vom Fach).

YouTube & Co. helfen da nicht weiter, ganz im Gegenteil, man versinkt in der Filterblase! Und wer meint, dass in Deutschland alles schlecht ist: Die Welt ist groß!

Achim Ochs, Wolf

Zum Leitartikel „Immer härter, immer weniger – immer die anderen“ (TV vom 6. Januar):

Thomas Roth hat mit seinem Kommentar zu den neuen Corona-Regeln den Nagel auf den Kopf getroffen. Alle Beschlüsse werden nur noch von einem Hinterzimmer-Kabinett ad hoc getroffen. Warum leisten wir uns dann zum Abnicken noch Tausende gutbezahlte Bundes- und Landtagsabgeordnete mit Hofstaat? Oder befinden wir uns nicht mehr in einer Demokratie mit Legislative, Exekutive und Judikative?

Walburga Rink, Plütscheid

Bravo, Herr Roth! Für mich endlich ein sachlicher, kritischer Kommentar zu den aktuellen Corona-Maßnahmen! Er weist in konstruktiver Art auf offensichtliche Versäumnisse auch der Politik hin. Dies ist eine ganz wichtige Aufgabe von Presse! Nicht nur Sprachrohr und Lautsprecher politischer Interessen zu sein.

Manfred Becker, Trier