Keine Einsicht, kein Bedauern, keine Reue

Keine Einsicht, kein Bedauern, keine Reue

Zum Artikel "Krise im Zentrum der Weihnachtsansprachen" (TV vom 27./28. Dezember):

Es ist richtig, dass die großen christlichen Kirchen sich ihrer moralischen Verantwortung erinnern und mehr Moral im menschlichen Miteinander einfordern. Es besteht allerdings die Gefahr, dass die Mahnungen, ähnlich den Worten des Rufers in der Wüste, ungehört bleiben.

Zu weit haben gewisse Führungskräfte in Banken und Wirtschaft Anstand und Moral verloren, wenn sie beides je in ihrer Kinderstube gelernt oder sich angeeignet haben. Man muss kein Psychologe sein, um zu begreifen, dass der Appell von Gesellschaft und Kirchen bei diesen egoistischen Zeitgenossen auf keinen fruchtbaren Boden fallen kann. Anders lässt sich beispielsweise die Reaktion der Vorstandsriegen großer deutscher Banken oder der drei gescheiterten Könige der US-amerikanischen Automobilindustrie nicht erklären. Während die Letzteren erst durch unmissverständliche Worte einiger Senatoren den Mantel der Bescheidenheit umlegen mussten (nicht wollten), beschweren sich die zuerst Genannten über eine unangebrachte, unangemessene Kritik seitens der Öffentlichkeit. Da ist keine Einsicht in gemachte Fehler, kein Bedauern und erst recht keine Reue zu erkennen. Aber wer keine Fehler eingesteht und keine Reue zeigt, wird schwerlich etwas ändern. Darin liegen das Dilemma und eine ernste Gefahr für 2009 und darüber hinaus.

Es bedarf eines generellen Wandels, den nur achtsame und verantwortungsbewusste Menschen herbeiführen können. Den ehrbaren Kaufmann, daran sollte man nicht zweifeln, gibt es auch heute noch. Männer und Frauen aus dem Privatbankenbereich, der mittelständischen Industrie und des Handwerks stehen größtenteils loyal und verantwortungsbewusst zu ihrem Unternehmen. Die Regierungen sollten eher diese Leute als Berater in ihre Krisensitzungen einladen, als sich von selbstgerechten, windigen, verantwortungslosen Spießgesellen an der Nase herumführen zu lassen. Das würde allerdings in gleicher Weise den rechtschaffenen, verantwortungsvollen und unabhängigen Politiker erfordern. Darüber hinaus sollte jeder einzelne Bürger durch sein Verhalten zum Gelingen des Ganzen beitragen. Nur so lässt sich wieder Vertrauen aufbauen.

Horst Schorle, Ingendorf

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