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Lesermeinung
Keine Klimaverbesserung in Sicht

Umwelt

Zu unseren Berichten über den Klimawandel:

Die drohende Klimakatastrophe ist bei vielen Bürgern noch nicht so richtig angekommen, aber sie hat zumindest bei einigen Politikern eine Bewusstseinserweiterung bewirkt.

Ö wie Öko und Ökologie gehört heute nun mal in jede Schaufensterrede, um beim Bürger auf eine lebensverändernde Konsum- und Lebensweise hinzuweisen. Im Repertoire der nun ökologisch agierenden Parteisoldaten haben der Klimaschutz und die Erderwärmung oberste Priorität.

Ein bisschen Schizophrenie ist aber auch dabei und zwingend notwendig, weil Machtpolitiker aus persöhnlicher Überzeugung das Klima nicht retten werden. Wer so was glaubt, weiß nicht, wem sie verpflichtet sind. Sogar Merkel kämpfte zeitweise für Kohlendioxidreduzierung, aber gleichzeitig bei der Autoindustrie gegen klimafreundliche Autos.

Autokauf ist definitiv kein Klimaschutz, weil damit klimaschädliche fossile Energien verbrannt werden. Selbst bei einer deutlichen Verringerung der Abgaswerte und bei einem gewaltigen Fortschritt der Spriteinsparung wird es bei einer steigenden Anzahl von Kraftfahrzeugen keine Klimaverbesserung geben, sondern die CO2-Verbesserung wird vom globalen Bedarf an neuen Autos aufgefressen. Experten schätzen einen Anstieg von heute 800 Millionen auf bis zu zwei Milliarden Fahrzeuge im Jahr 2050.

Aber das Auto ist definitiv bei vielen Bevölkerungsschichten immer noch der Garant für Mobilität und sozialen Status. Trotz aller Unkenrufe gilt noch für viele: Wenn man es sich leisten kann, kauft man sich ein größeres und teureres Modell.

Das Herumgeeiere der Regierung und die Argumente der Autoindustrie lassen allerdings erkennen, dass die Moral erst dann zum Zug kommt, wenn der Preis stimmt. Somit wird die Hegemonie der Autoindustrie akzeptiert. Das Auto ist nun mal ein Symbol unseres auf dem Wachstumsgedanken basierenden Lebensstils.

Das ist aber auch die Ursache und ein Grund, warum nach einer Studie des Umweltbundesamts die CO2-Verringerung im Verkehrsbereich als problematisch angesehen wird. Dieselfahrverbote bei einigen Straßenabschitten in Großstädten dienen der Umwelt nicht, weil Dieselfahrer, um ans Ziel zu kommen, Umwege in Kauf nehmen und somit Motoren länger laufen müssen.

Selbst eingefleischte Ökos der Grünen zweifeln an den angepassten, inzwischen grün angestrichenen Yuppies ihrer Partei, die lieber mit Begeisterung in der Weltgeschichte herumfliegen, um überall dem nachhaltigen und sanften Tourismus zu frönen.

Luxusliner in der Seefahrt, mit Schweröl betrieben, haben das Problem des Klimawandels noch nicht erkannt.

So sind die Visionen der Zukunft widersprüchlich. Genuss und Nachhaltigkeit, Ethik und Luxus, Einfachheit und Technik, ob solch eine gegensätzliche Konsumethik zu einem umweltgerechten Wohlfühlfaktor führt, wird die Zukunft zeigen.