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Kinder sind Menschen, nicht nur Kindergartenbesucher und Schüler

Leserbrief : Kinder sind Menschen, nicht nur Kindergartenbesucher und Schüler

Kinder und Corona

Die Benachteiligung der Jüngsten setzt sich fort (TV vom 12. Juli), Zum Kommentar „Kinder haben ein Recht auf normales Leben“ (TV vom 10. Juli), zum Artikel „Corona: Kinderschutzbund warnt vor mehr Misshandlungen“ (TV vom 15. Juli) sowie weiteren Artikeln zum Thema „Kinder und Corona“:


Als Mutter und Großmutter fällt mir seit Beginn der Pandemie auf, dass Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene in einer enorm einseitigen Betrachtung als Betroffene der Pandemie medial und politisch betrachtet und dargestellt werden.

Sind denn Kinder nur Kinder, weil sie Kindergarten und Schule besuchen? Sind junge Menschen nur Lehrlinge oder Studenten und Studentinnen, weil sie ausgebildet werden oder sich Wissen für den Beruf aneignen?

 Es sind doch nicht nur die Auswirkungen auf die Wirtschaft, die Arbeitsverhältnisse und die Institutionen, die uns Menschen derzeit so zu schaffen machen. Es sind die Daseinsängste der Kinder und Jugendlichen, die sie klar benennen, wenn man mit ihnen wirklich spricht..

Ich wurde als sogenanntes Nachkriegskind geboren und habe erlebt, wie Schweigen und Gesprächsverbote uns Kindern das Leben erschwert haben. Die Unfähigkeit zu trauern, so nannte es das Ehepaar Mitscherlich damals, stand zwischen den Erwachsenen und den Kindern und Jugendlichen.

Es lässt sich erahnen, dass es heute die Unfähigkeit ist, neben Arbeit, Leistungs- und Konsumgedanken überhaupt das reine Zusammenleben als Menschen zu betrachten. Das und auch die Beziehungen zwischen Menschen — Groß und Klein litten und leiden.

Es ist die kleine Rosa die während des Märchenlesens mich plötzlich anschaut und sagt: „Ich mag nicht so viel Wasser weißt du, da hab ich ganz viel Angst“ die deutlich zeigt, wo Kinder stehen. Hoffnung machen ist sehr wichtig, aber Schweigen erzeugt keine Hoffnung. Erzählen ist das, was Menschen im Leid wirklich verbinden kann.

Was im Gedächtnis der Kinder bleiben sollte, sind eben auch die Gespräche mit den Erwachsenen, die auch nicht immer weiter wissen und dennoch da sind und zuhören.