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Klaus Hartmann zur Energiewende

Leserbrief : Raus aus dem Zielkonflikt: So können wir Versorgungsprobleme lösen

Energiekrise

Zum Artikel „Was tun, wenn der Gashahn weiter geschlossen bleibt?“, TV vom 19. Juli, und anderen Texten:

 

Wir befinden uns derzeit in einem klassischen Zielkonflikt: Wir brauchen die Energiewende, weil der Klimawandel unerbittlich voranschreitet und die Lebensgrundlagen auf dem Planeten gefährdet. Russland führt einen Angriffs- und Eroberungskrieg, mit dem darauf abgezielt wird, Menschen, die sich als Ukrainer, als Russen – oder als beides – fühlen, dazu zu zwingen, sich als Russen zu bekennen – oder aber zu gehen oder zu sterben. Wir unterstützen diesen Krieg mit jedem Tag, an dem wir noch russisches Gas kaufen. Wenn wir es nicht mehr kaufen, schlittern wir womöglich in eine Krise, die unsere freiheitlich-demokratische Gesellschaftsordnung gefährden und totalitären Systemen in die Hände spielen könnte. Russland dreht den Gashahn derzeit schrittweise zu, erzeugt somit Schritt für Schritt eine Krise in der gesamten Europäischen Union – und verdient mehr Geld für weniger Ware. Vor diesem Hintergrund fordern nun Politiker von CDU/CSU und FDP, vom Atomausstieg abzurücken.

Meiner Ansicht nach kann man das durchaus machen, aber zu ganz klaren und fix auszuhandelnden Bedingungen. Die Grünen und die SPD könnten einwilligen, zusammen mit den anderen demokratischen Parteien ein Sondervermögen „Energiewende“ ins Grundgesetz schreiben, das beispielsweise 500 Milliarden Euro umfassen könnte. Damit wird eine Solarzellenerzeugung in der EU aufgebaut, jeder Quadratmeter Dachfläche und so weiter wird mit Solarzellen zugepflastert, die Einspeisevergütungen für private Kleinerzeuger werden wieder massiv nach oben gefahren …

Zugleich sollte man die Atomkraftwerke unverzüglich verstaatlichen, damit die Gewinne aus dem Atomstrom der Allgemeinheit zugutekommen – und zur Tilgung der für die Energiewende aufgenommenen Kredite eingesetzt werden können. Man sollte sogar behutsame Investitionen in bestehende Atomkraftwerke tätigen, um sie allesamt für sagen wir fünf Jahre mit maximaler Kapazität betreiben zu können.

Auf diese Weise könnte man das Heft des Handelns wiedererlangen: Wir könnten morgen aus dem Gaskauf von Russland aussteigen und innerhalb weniger Jahre die Energiewende umsetzen.