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Politik: Kleiner Feigling

Politik : Kleiner Feigling

Zur Berichterstattung über den Amtswechsel in den USA schreiben Peter Trauden und Hans J. Hauprich:

Donald Trump wurde in den vier Jahren seiner Präsidentschaft von der internationalen Journaille mit etlichen Attributen belegt. Vom Irren bis zum bösartigen Dämon war so ziemlich alles dabei. Ein Charakterzug dieses Mannes aber wurde mir zu wenig herausgestellt, etwas, das eigentlich ins Auge springen musste, wenn man die Geschehnisse des schändlichen sechsten Januars am Kapitol zu Washington Revue passieren lässt. Da stellte sich Trump vor den von ihm herbeigerufenen Mob und hielt über eine Stunde lang eine Rede, die in der Aufforderung gipfelte, das Kapitol zu stürmen. „Ich werde bei euch sein!“ rief er der geifernden Menge zu. Durch diese Ansage bestärkt, setzte diese sich dann in Bewegung. Das Ergebnis war der von vielen Amerikanern so empfundene schändlichste Tag in der Geschichte der USA. Das Kapitol verwandelt in eine Räuberhöhle, die Polizei völlig überfordert, Tote und Verletzte auf beiden Seiten und vor Verachtung triefende Handyaufnahmen aus den Büros der Abgeordneten. Trumps „Garde“ hatte triumphiert.

Aber wo war er, der Held, der „bei ihnen sein“ wollte? Der hatte sich sofort nach seiner Brandrede ins Weiße Haus verkrümelt, von wo er via Fernseher betrachten konnte, was er da angerichtet hatte. Stunden nach dem Sturm rang er sich zu einer öffentlichen Erklärung durch, in der er (viel zu spät) zur Friedlichkeit aufrief, aber dieses Pack dennoch zu seinen Freunden erklärte, die etwas „ganz Besonderes“ seien.

In den Tagen danach kam dann die 180-Grad-Wende: Erkennend, das das Ganze für ihn persönliche Konsequenzen haben könnte, erklärte er die selben Leute nun zu Verbrechern, die eigentlich „keine richtigen Amerikaner“ seien. Sie müssten zur Verantwortung gezogen und hart bestraft werden.

Was hat uns das gezeigt?

Dieser Mann, der sich selbst zum Helden stilisierte, der alles besser wusste, alles besser konnte und alles besser machte, erwies sich schlussendlich als das, was er eigentlich schon immer war – ein kleiner, erbärmlicher Feigling.

Für etliche derjenigen, die für Ihren Messias-gleichen Anführer nun in den Gefängnissen sitzen, muss das wie ein Schlag mitten ins Gesicht wirken. Aber das ist nun mal der Preis, den man zahlt, wenn man sich eine bösartige, verkommene Witzfigur zum Anführer kürt.

Bleibt nur zu hoffen, dass Trumps politische Geiseln in der republikanischen Partei ihre Scheuklappen ablegen und nun mit dafür sorgen, dass so ein Albtraum nie wieder über ihr Land kommt.

Peter Trauden, Heilbach

Zum Leserbrief von Karl-Josef Prüm unter der Überschrift „Mulmiges Gefühl“ (TV vom 16./17. Januar) über den Regierungswechsel in den USA:

Den Leserbrief-Verfasser beschleicht also beim Anblick der zahlreichen Stars&Stripes-Flaggen in den USA ein mulmiges Gefühl. Dazu betrachtet er diesen Ausdruck von Nationalstolz als Firlefanz!

Nun denn, ich empfehle ihm einmal den Besuch in einem beliebten Urlaubsland der Deutschen. Und zwar in der Türkei, am besten an einem der zahlreich dort begangenen Staatsfeiertagen. Mal sehen, ab er den Mumm aufbringt, die dort denn zu sehenden unzähligen türkischen Fahnen laut und vernehmbar als Firlefanz zu bezeichnen.

Wenn er Glück hat, rettet ihn die türkische Jandameria vor ein paar Tritten in den Allerwertesten oder noch Schlimmerem. Ich würde darauf jedoch keinen müden Piaster wetten!

Wahrscheinlicher ist der Besuch eines den deutschen Standards entsprechenden örtlichen Gefängnisses.

Und was die zahlreichen heruntergekommenen Hinterhöfe in den USA betrifft: Eine Fahrt in einem Zug der Deutschen Bahn (falls der nicht mal wieder wegen einer Schneeflocke ausfällt) in die Bundeshauptstadt vermittelt ihm wesentlich preiswerter den Besuch der auch in Berlin zahlreich vorhandenen folkloristisch-baulichen Höhepunkte!

Mit persönlich ist ein mit Ecken und Kanten versehener US-Präsi­dent wie der nun abgewählte Donald Trump wesentlich sympathischer als eine böse Schwiegermutter, welche die ihr überreichte Deutschlandfahne verächtlich zu Boden wirft!

Hans J. Hauprich, Kasel