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Leserbriefe: Knapp 16 Euro pro Bürger – zu viel für die Sicherheit?

Leserbriefe : Knapp 16 Euro pro Bürger – zu viel für die Sicherheit?

Zum Artikel „Cattenom ist ein Sicherheitsrisiko, aber eine Klage wäre chancenlos“ (TV vom 17. April) schreibt Dr. Stefan Licht:

Was ist der Bürger unserer Landesregierung wert? Keine 16 Euro!

Es ist nun klar. Das von der Landesregierung in Auftrag gegebene Gutachten eines Ökoinstituts in Darmstadt hat schwere Mängel beim Kernkraftwerk in Cattenom und insgesamt 54 der 58 Kernkraftwerke in Frankreich festgestellt. Zitiert wird im Volksfreund ein „schwerwiegendes Risiko für Mensch und Umwelt“. Es mangelt an Schutz bei Erdbeben, Flugzeugabstürzen, und die Notstromversorgung ist im Falle eines Stromausfalls auch nicht ausreichend. Fukushima lässt grüßen.

Nach der bestehenden Rechtslage liegt die Beweislast beim Kläger, so dass für den anzunehmenden Maßstab des Vollbeweises  nun das in Auftrag gegebene Gutachten nicht ausreicht. Nach Berechnungen der Sachverständigen wäre voraussichtlich mit weiteren Kosten von 80 Millionen Euro zu rechnen, um belastbare Beweise vorlegen zu können.  Das jedoch ist Frau Höfken, unserer Umweltministerin (Grüne), zu teuer. Immerhin sind es knapp 16 Euro pro Bürger in Rheinland-Pfalz und dem Saarland. Es wird Bedauern geäußert, man hat alles Erdenkliche getan und kann im Zweifel die Hände in Unschuld waschen. Vielleicht ist es auch als klassische Güterabwägung zu verstehen. Wir wägen das Risiko einer potenziellen dauerhaften Umweltschädigung der Großregion gegen die finanzielle Belastung ab und entscheiden uns fürs Geld. Man könnte auch sagen, wir wetten gegen den Unfall und gewinnen 80 Millionen Euro, sofern nichts passiert. Und wenn doch? Na dann hat man doch zumindest in einem Gutachten vorher die geringen Erfolgsaussichten dokumentiert. Oder warum sonst wurde das immerhin rund 86 000 Euro teure Gutachten in Auftrag gegeben?  Wollte man etwa bereits damit die Betreiberfirma EDF in die Knie zwingen? Cattenom wird nun nicht nur bis 2026 weiterbetrieben, sondern soll mindestens weitere zehn  Jahre am Netz bleiben.

Wir können leider nichts unternehmen. Hierzu müssten wir aus unserer Komfortzone heraus und mit Engagement, Enthusiasmus und der notwendigen Überzeugung, dem Mut und dem unbändigen Willen das anstreben, was gut für unsere Umwelt und die Menschen vor Ort ist. Leider sind unsere Vertreter aus dem falschen Holz geschnitzt. Offenkundig fehlen ihnen diese grundlegendsten Eigenschaften, die notwendig sind, um unsere Region im Herzen Europas zu einem zukunftsfähigen Ort zu machen, in dem auch noch unsere Kinder gesund alt werden können. Leider sind wir nicht bereit, das zu bezahlen, was es kostet, um alle rechtlichen und politischen Mittel auszuschöpfen. Kann es im Interesse der Franzosen liegen, 54 Kernkraftwerke mit schweren Mängeln am Netz zu lassen und dies unabhängig von der ungelösten Frage der sicheren und dauerhaften Entsorgung der Brennstäbe? Besitzt Ulrike Höfken die notwendige Kompetenz und den unbändigen Willen? Was sagt Malu Dreyer, unsere Ministerpräsidentin? Wann vernehmen wir die Opposition? Wo bleibt der Aufschrei?

Sind diese unsere Volksvertreter tatsächlich so müde, sind sie noch in unserem Interesse unterwegs oder haben sie längst das erreicht, was sie eigentlich wollten? Ihre eigene Komfortzone. Aber wenn sie dann eines Tages ihre Hände in Unschuld waschen müssen, dann wird Wasser allein zur Dekontamination nicht mehr reichen. Leider auch nicht bei unseren Kindern.

Dr. Stefan Licht, Tawern