Konflikte

Zu den Berichten sowie zu verschiedenen Leserbriefen zur Ukraine-Krise diese Meinung:

Wir brauchen keinen neuen Erbfeind! Mit großem Interesse verfolge ich die Leserbriefe zur Ukraine-Krise. Viele Schreiber geben ihren Unmut über die Politik der USA und der Nato wieder. Anstatt nach einem Ausgleich zu suchen, wird von vielen Politikern mächtig ins Feuer geblasen. Vor 100 Jahren begann der Erste Weltkrieg, und die Kinder lernten in der Schule, dass Frankreich unser Erbfeind ist und man dem Kaiser getreu zu folgen hat. Vor 75 Jahren begann der Zweite Weltkrieg mit einem Überfall der deutschen Wehrmacht auf Polen. Haben wir denn aus der Vergangenheit überhaupt nichts gelernt, soll jetzt, angeführt von der Nato und den USA, angeschürt von dem Russenhass der ehemaligen Bruderstaaten der Sowjetunion, unseren heutigen Nato-Verbündeten, Russland zu unserem neuen "Erbfeind" aufgebaut werden? Davor kann man nur eindringlich warnen. Nach dem Zweiten Weltkrieg waren es die Staatsmänner de Gaulle und Adenauer, die die sogenannte Erbfeindschaft zwischen Deutschland und Frankreich beendeten. Ich bekomme heute noch Gänsehaut, wenn ich mich an die Rede von de Gaulle an die deutsche Jugend bei seinem Deutschlandbesuch im September 1962 erinnere, die ich damals als junger Mann gehört habe, in der er die Worte rief: "Ihr seid ein großes Volk! Jawolllll, ein groooßes Volk!" Das wenige Jahre nach dem Krieg gegen Frankreich und dessen jahrelanger Besetzung. Danach hatten wir einen Bundeskanzler, Willy Brandt, der in seiner Regierungserklärung sagte "Wir wollen ein Volk von guten Nachbarn sein" und einen Ministerpräsidenten namens Johannes Rau, dessen Wahlspruch lautete: "Versöhnen statt spalten." Oder einen Bundeskanzler Kohl, der mit dem französischen Präsidenten Mitterand die deutsch-französische Freundschaft bekräftigte. Was haben wir heute? Einen Bundespräsidenten, der im Ausland gegen unseren Nachbarn Russland hetzt. Tatsache ist ja, dass weder die USA noch die frühere Sowjetunion oder Russland, wenn es um die Wahrung der eigenen Interessen ging, sich an die Menschenrechte gehalten haben. Und um es einmal polemisch auszudrücken: Putin hält sich sicherlich so strikt an die Menschenrechte wie der Pfarrer Gauck an die Zehn Gebote. Wir brauchen wieder Politiker, die auch die Interessen der anderen verstehen, die verhandeln, statt zu drohen, die versöhnen, statt zu spalten. Walter Conzem, Wellen