Konflikte

Zur Berichterstattung über den Bürgerkrieg in Syrien:

Als mündiger, politisch aufgeklärter Bürger fühlt man sich durch die Berichte zur Entwicklung in Syrien in seiner Selbstwahrnehmung zunehmend verhöhnt. Die Fokussierung in Printmedien wie dem Volksfreund, aber auch in ARD und ZDF liegt eindeutig, als gäbe es entsprechende einheitliche Vorgaben, auf der Diskreditierung der Assad-Regierung, die zwar sicher nicht unseren Vorstellungen von Demokratie entspricht, aber auch bisher nicht als blutrünstiges Regime aufgefallen ist. Eine einzige Zeile widmete der TV kürzlich der Meldung, dass es Waffenlieferungen durch CIA & Co. an die "Rebellen" gegeben habe, ohne jeden Kommentar. Dabei liegt hier doch der Schlüssel zum Verständnis dieser sogenannten "syrischen Revolution". Man braucht nur eine Analyse wie die des ehemaligen "Zeit"-Nahost-Korrespondenten Michael Lüders mit dem Titel "Iran - Der falsche Krieg" heranzuziehen, um zu verstehen, was hier wirklich gespielt wird. CIA-Aktivität lässt auf US-Interessen schließen. Und die bestehen darin, mittelfristig eine möglichst freie Verfügbarkeit über die Ressourcen des Nahen und Mittleren Ostens (Erdöl, Erdgas) zu sichern. Das größte Hindernis auf dem Weg dorthin ist die islamische Republik Iran, das es, eventuell mit Initialzündung durch Partner Israel, zu beseitigen gilt. Der letzte potenzielle Verbündete Irans in der Region ist das Assad-Regime. Gelingt es nun, Assad durch entsprechende Provokation in der westlichen Öffentlichkeit als das eigene Volk mordenden Diktator zu verkaufen, kann sogar wie im Falle Libyen die Nato missbraucht werden, um in Damaskus einen willigen Befehlsempfänger zu etablieren. Danach kann das "Iran-Abenteuer" starten, in dem nach meiner Einschätzung auch die Bundesrepublik mitmachen wird, dann aber unter klarer Missachtung unserer Verfassung Paragraph 26(1). Die unsaubere Berichterstattung führt natürlich auch dazu, dass das Veto von Russland und China in der Syrienfrage von der Öffentlichkeit nicht als simple Notlösung in der Wahrung ihrer gleichfalls berechtigten Interessen in der Region erkannt wird. Raimund Thies, Minden