konflikte

Zu unserer Berichterstattung über die Lage in Afghanistan:

Die Familie aus Afghanistan, die ich in meinem Dorf betreue, hat jetzt - kurz vor Weihnachten - die Ablehnung ihres Asylantrags bekommen. Vater, Mutter, vier Kinder, Angehörige der Volksgruppe der Hazara - sie haben drei Tage lang geweint. In der letzten Woche wurden 34 Flüchtlinge nach Afghanistan abgeschoben, in ein Land, in dem Krieg herrscht. Innenminister de Maizière rechtfertigt diese Abschiebungen mit dem Hinweis, ein Drittel der Abgeschobenen sei Straftäter. Was ist denn mit den anderen zwei Dritteln? De Maizière behauptet, die Anschläge der Taliban richteten sich nur gegen die Regierung und gegen Ausländer. Einheimische seien nicht gefährdet. Das ist glatt gelogen! Nur ein paar Beispiele, die das Gegenteil beweisen: Bei der Einnahme von Mazar-i-Sharif 1998 haben die radikal-sunnitischenTaliban 4000 bis 5000 Menschen ermordet, zumeist Angehörige der schiitischen Hazara. Bei der Eroberung von Kun duz im Oktober 2015 haben die Taliban schwerste Verbrechen begangen. Mit Morden an Zivilisten, Gruppenvergewaltigungen, Entführungen und dem Einsatz von Todesschwadronen hatten sie in kürzester Zeit eine Schreckensherrschaft in der Stadt errichtet, bis mit viel Mühe die Regierungstruppen die Stadt wieder zurückeroberten. Immer wieder und in allen Landesteilen, und in verstärktem Maße seit dem teilweisen Rückzug der ausländischen Truppen, gibt es Entführungen, Ermordungen und Enthauptungen durch die Taliban. Wer mindestens fünf Hazara ermordet, kommt direkt ins Paradies, heißt die Parole. Afghanistan ist beileibe kein sicheres Herkunftsland. In Afghanistan herrscht Krieg, und die schwache Zentralregierung ist nicht willens oder nicht in der Lage, diesen Krieg in absehbarer Zeit zu beenden. De Maizière verharmlost die katastrophalen Verhältnisse in Afghanistan, um die Abschiebungen zu rechtfertigen. Das ist unmenschlich und unmoralisch! Reinhard Hallwachs, Utscheid