Konflikte

Zur Berichterstattung über die Terrormiliz des "Islamischen Staats":

Was geht an unsere Adresse im Umgang mit dem Islam? Diese Frage geht unter bei den Berichten über die Aggressivität, der mit sozialen, pädagogischen, rechthaberischen, polizeilichen und militärischen Mitteln entgegenzuwirken ist. Dabei haben wir uns auf die Verfassungswerte der Menschenwürde, Freiheit, Toleranz, Dialogbereitschaft und Solidarität als die unserer "Europäischen Identität" so zu besinnen, dass wir diese nicht relativieren oder aufweichen zugunsten einer Toleranz für Intoleranz oder Beliebigkeit. Jedoch: Wir müssen uns bewusst werden, dass wir uns einer religiösen Herausforderung gegenübersehen: "Unruhig ist unser Herz, ehe es nicht ruht in Dir, Gott" - schrieb Augustinus und beschrieb damit den Impuls zum "Eigentlichen", Unbedingten, Absoluten, der den "Hauptmann von Köpenick" angesichts seines Tütenklebens als Häftling sagen ließ: "Das kann doch nicht alles gewesen sein! Ich mach noch was!"Der Impuls, der die einen in der Liebe in das Urwaldhospital von Lambarene führte, andere aber mit irregeleiteter Hingabebereitschaft in totalitäre Rechts- oder Linksradikalismen, religiöse Sekten oder gar pseudoreligiös begründeten Terror. Im Fundamentalismus steckt beides - das Ernstnehmen dieses Impulses, wie es vor allem bei den "abendländischen Feiertagschristen" mit Recht vermisst wird, und die Intoleranz aus der Unfähigkeit heraus, das Unbedingte und Absolute Gottes mit seinem Zuspruch und Anspruch an unser Leben von den Weisen seines Verständnisses zu unterscheiden. In praktischer Konsequenz heißt dies, konstruktiv auf unsere muslimischen Mitbürger zuzugehen, indem wir den vielfältigen Beiträgen und Bemühungen von Denkern und Predigern eines aufgeklärten Islam mehr Beachtung schenken und in diesem Sinne den Dialog suchen. Dabei ist in Rechnung zu stellen, dass die Menschen bei ihren historisch gewachsenen und sozialpsychologischen, oft bildungsfernen Prägungen "abgeholt" werden müssen - in einem Aufklärungsprozess, der auch unter Christen und Juden durchaus noch im Gange ist. Für den Frieden in einer pluralistischen Gesellschaft und in einem sich wandelnden Staatsvolk wird - bei aller notwendigen Abwehr von Missbräuchen - bloße Repression nicht zum Ziel führen. Also: Aufgeschlossenheit! Hinschauen! Unterscheiden! Ohne "Blauäugigkeit" das Miteinander suchen! Langer Atem! Geduld! Jürgen Uecker, Pfarrer i.R., Manderscheid