KONFLIKTE

Zum Artikel "Nato rüstet sich: Schnelle Eingreiftruppe fürs Baltikum" (TV vom 6./7. September):

Jetzt ist es so weit: Die Eskalation schreitet fort. Die Nato bildet eine schnelle Eingreiftruppe und verlegt militärisches Material bis hin zum Kampfjet in die baltischen Staaten. US-Präsident Obama droht mit einem Militärschlag, falls die Nato angegriffen wird. Unbestritten ist, dass der Westen Russland schon geärgert hat. Statt in der Ukraine einen Pufferstaat zwischen Ost und West zu schaffen, der Ansehen und Wohlstand wie die Schweiz hätte erreichen können, wollte man die Ukraine dem Westen einverleiben. Das führte zu Reaktionen und Gegenreaktionen, die in der Ukraine mit einer zunehmenden Zahl von Menschenleben immer weiter eskalieren. Wenn es nicht so schrecklich wäre, könnte man das Verhalten mit dem von Kindergartenkindern vergleichen. Du hast von meinem Butterbrot gegessen, deshalb muss ich dich schlagen. Als Reaktion holt der Geschlagene einen Stock, was bleibt dem Butterbrotesser übrig, als eine Dachlatte zu holen, woraufhin der Erste droht, er habe eine noch größere Dachlatte mit Nägeln dran. Oh wie schrecklich sind unsere Politiker, diese Großen, Starken mit den winzig kleinen Herzen! Ist ein Politiker nur dann ein großer, wenn er provoziert und bei Bedarf massiv eskaliert? Bei Reden des Generalsekretärs der Nato, Anders Fogh Rasmussen, hat man den Eindruck einer gewissen Freude über die Eskalation. Wo soll das aufhören, muss ein Krieg einkalkuliert werden, und, falls er eintritt, wird er konventionell bleiben, wie viele Tote darf es geben? Wie sehr wünschte ich mir Politiker mit dem Format eines Generals de Gaulle und eines Bundeskanzlers Adenauer, die nach mehreren Kriegen mit Millionen von toten Deutschen und Franzosen ein Bündnis geschaffen haben, das Frieden und Wohlstand in Europa bisher garantierte. In einer Zeit, in der der internationale Terrorismus immer bedrohlicher wird, ist eine Kooperation zwischen Ost und West existenziell. Wenn ich einen Wunsch freihätte, würden alle verantwortlichen Politiker wie bei der Papstwahl in einen Raum eingeschlossen, aus dem sie erst hinaus dürften, wenn weißer Rauch aufsteigt. Dr. med. Anton Hölscher, Daun