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Gesellschaft: Konfliktträchtige Gemengelage

Gesellschaft : Konfliktträchtige Gemengelage

Zur Berichterstattung über die deutsche Asylpolitik schreibt Heinz Erschens:

Das Asylrecht der Bundesrepublik gilt für alle politisch Verfolgten dieser Erde. Jeder Ausländer, der deutschen Boden betritt und das Zauberwort Asyl sagt, hat das Recht, auf Kosten des Steuerzahlers hier zu leben, so lange das Asylverfahren es erforderlich macht. Es ist gleichgültig, aus welchem Kulturkreis die Asylsuchenden kommen. Auch die Religion spielt keine Rolle.

Unser Asylrecht sollte zum Schutz von Leben und Gesundheit der politisch Verfolgten dienen und nicht seiner materiellen Bereicherung. Viele kommen aus Ländern, deren Acker- und Weideflächen durch Bodenerosion und Wüstenbildung nicht mehr für die Ernährung der Bevölkerung reichen. Das sind aber keine politisch Verfolgten, sondern Wirtschaftsmigranten.

Die Flüchtlingsströme aus Nahost haben meist ganz andere Ursachen. Als Abu Bakr al-Baghdadi in Mossul seinen Anspruch verkündete, dass er als Oberhaupt aller Muslime herrschen werde und den „Islamischen Staat“ im Irak und Groß-Syrien ausrief, wurde auch der letzte Funke Hoffnung zerstört, den man im Jahr 2011 in den Arabischen Frühling setzte. Er rief zum Kampf gegen die „Ungläubigen“ auf und hinterließ mit Massakern, Massenhinrichtungen, Vertreibung und Versklavung eine beispiellose Blutspur. Das alles begann mit der Fehlkalkulation Amerikas. Die Amerikaner glaubten, dass der Irak nach dem Sturz Saddam Husseins in eine Demokratie überleiten würde. Stattdessen begann ein blutiger Bürgerkrieg, dessen Lunten schon nach dem Ersten Weltkrieg gezündet worden waren. Die siegreichen Kolonialmächte schufen durch willkürliche Grenzziehungen neue und zufällige Staatszugehörigkeiten. Engländer und Franzosen zogen die Grenzen nach ihren wirtschaftlichen und strategischen Gesichtspunkten. Sie durchschnitten die früheren ethnischen und konfessionellen Siedlungsgebiete, trennten Familien, Clans und Volksgruppen. Es entstanden die Länder Syrien, Irak, Palästina und Jordanien. Blutige Rebellionen entwickelten ihre Eigendynamik. Schiiten, Sunniten, Kurden, lokale Milizen und der IS sind an die Stelle der früheren Staaten getreten. Unter dem Deckmantel der Befriedung mischen Amerikaner, Russen, Türken, Saudis, Iran, ja sogar die Nato mit der Bundeswehr mit und sind kein Teil der Lösung, sondern auch ein Teil des Problems. Den betroffenen Bürgern ist es egal, von welchen Bomben sie getötet werden.

Sie wollen für sich und ihre Kinder eine Zukunft haben, aber vor allen Dingen überleben. Sie hoffen in Deutschland und in Europa einen der letzten Strohhalme zu ergreifen, der ihnen das ermöglichst. Das hat aber zu Folge, dass ein explosives Anwachsen von Flüchtlingen aus unterschiedlichen Ländern irgendwann zu Spannungen führen wird. Die Multi-Kulti-Ideologen werden irgendwann erkennen müssen, dass sich ein Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher Nationalitäten, Hautfarbe und religiöser Bekenntnisse in der Zukunft eventuell als konfliktträchtig erweisen kann.

Es bedarf wenig Phantasie, um sich eine Kombination von Einflussfaktoren vorzustellen, die in der Wechselwirkung, auch in Deutschland, eine gefährliche Eskalation auslösen können. Die Verhältnisse im Nahen Osten beweisen es.

Heinz Erschens, Kell am See