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Katholische Kirche
Konsequent durchgreifen!

Zum Artikel „Tatort Albertinum: Mehr Fälle, mehr Opfer“ (TV vom 27. September) und weiteren Beiträgen zum Thema Missbrauch schreibt Dorothea Thul:

Es ist sinnlos zu glauben, dass die katholische Kirche sich in irgendeiner Weise ändern wird. Die doppeldeutigen Worte von Bischof Ackermann beweisen dies einmal mehr. Über den Missbrauch wird oft erst  nach 20 Jahren, nach Ablauf der Verjährung berichtet. Und es waren mit Sicherheit keine Einzeltäter am Werk.

Verantwortlich für das Bistum war der Trierer Bischof Spital, sein Nachfolger als Bischof war Reinhard Marx, von 2001 bis 2007 Bischof von Trier– was hat er damals unternommen, um den Skandal aufzuklären, hat er die Justiz eingeschaltet – nichts, er hat die Akten im Vatikan verschwinden lassen! Die Selbstverständlichkeit, mit der die Kirche die Ermittlungen an sich reißt und in den Vatikan verlegt, bedeutet nur, dass die katholische Kirche die Bundesrepublik als demokratischen Rechtsstaat mit ihren juristischen Instanzen nicht akzeptiert und jeder Bischof/Priester in Deutschland quasi Diplomatenstatus genießt – das kann nicht sein und hat mit Religionsfreiheit nichts zu tun!

Hier werden keine Böcke zu Gärtnern gemacht, hier ernennen sich Täter zu Richtern, das muss aufhören! Die missbrauchten Kinder haben oft schwere Körperschemastörungen/visuelle Wahrnehmungsstörungen, die nicht Ausdruck einer Entwicklungsstörung, sondern Folge eines schweren Traumas sind – hier werden mit Ergotherapie et cetera Symptome behandelt, aber nicht die Ursachen angegangen, und auch hier verdient die Kirche am Missbrauch der Kinder.

Wenn die Kinder in der Schule versagen, landen sie in einer Förderschule (= kirchliche Einrichtungen), und wenn sie auch dann noch im Leben nicht klarkommen, enden sie in den Lebenshilfewerkstätten  (= kirchliche Einrichtungen) – ein Circulus vitiosus, ein Teufelskreis, den es zu durchbrechen gilt.

Die Spätfolgen, vor allem die psychologischen und psychiatrischen Erkrankungen im Erwachsenenalter, die auf Kindesmissbrauch zurückzuführen sind, sind unvorstellbar. Der volkswirtschaftliche Schaden, der durch Kindesmissbrauch entsteht, geht in die Milliarden – allein das sollte schon Anlass genug sein für den Staat, hier konsequent durchzugreifen.

Mit anderen Worten: Die Kirche verdient am Kindesmissbrauch, warum also sollte sie etwas ändern? Es kann nicht sein, dass eine Kirche (egal welche!) Opfer produziert und dann auch noch an den Therapien der Opfer finanziell verdient. In diesem Punkt bitte ich das Konzept der Kinderfrühförderung neu zu überdenken.

Ich habe mich letztendlich entschieden, aus der Kirche auszutreten, weil ich diesen Missbrauch nicht noch mit Kirchensteuer finanzieren wollte.

Dorothea Thul, Kinderärztin, Hermeskeil