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Katholische Kirche: Kostbares Erbe, faule Kompromisse

Katholische Kirche : Kostbares Erbe, faule Kompromisse

Zur Berichterstattung über die Päpste Franziskus und Benedikt XVI. und ihre unterschiedlichen Vorstellungen zu Reformen in der katholischen Kirche sowie zu verschiedenen Leserbriefen schreiben Br. Stephan Reimund Senge und Wolfram Bauer:

Zum Leserbrief „Fels in der Brandung“ (TV vom 29. Januar):

Wir lesen im Evangelium, dass Jesus die Schwiegermutter des Petrus heilte. So muss er, der spätere Apostel, wie seine Mit-Apostel, wohl verheiratet gewesen sein.

Und im 1. Brief des Timotheus ist im dritten Kapitel vom Bischof die Rede. Er soll unter anderem ein Mann ohne Tadel sein und nur einmal verheiratet.

Ach, ob unsere auch kirchlichen Paragraphen, noch dazu aus dem Zusammenhang gerissen, mehr wert sind als die Heilige Schrift?

Wenn im Amazonas-Gebiet Gläubige wegen Priestermangels nur einmal jährlich die Eucharistie feiern können, ist schon die Frage, ob wir dieses kostbare Erbe unseres Herrn Jesus Christus den Menschen, die danach verlangen, vorenthalten dürfen.

Auch die Bischöfe haben darüber nach der Erklärung von Reinhard Kardinal Marx eingehend gesprochen, ob man über Ausnahmen vom Zölibat neue Wege zum priesterlichen Dienst eröffnen kann.

Br. Stephan Reimund Senge, Himmerod

Zu einem Leserbrief unter der Überschrift „Zwei Sorten von Opfern?“ (TV vom 1./2. Februar):

Den Beitrag von Ernst Marx von der Gemeinde Christi in Trier las ich mit einem lachenden und einem weinenden Auge, da sich hier ein religiöser Antagonismus offenbart, der unseren Zeitgeist zunehmend beherrscht und spaltet.

Exemplarisch im Beitrag ist ein christlicher Fundamentalismus, der sich auf die Bibel und das christliche Dogma beruft. Dabei muss man rational zur Kenntnis nehmen, dass Fundament und Dogma nicht zu trennen sind. Beschädigt oder demontiert man das Fundament, nimmt Schaden das Dogma, das ganze Gebäude wird baufällig und stürzt ein.

Auf der anderen Seite gibt es ständige Veränderungen, Anpassungen, Korrekturen, bedingt durch Erfahrungen und Erkenntnisse, zusammengefasst als Fortschritt durch Empirie und Aufklärung, die jedem Fundamentalismus widersprechen. Und dieser Antagonismus generiert einen Konflikt, der bis in den Vatikan reicht.

Der Fundamentalist spürt, was auf dem Spiele steht, wo Kompromisse nichts bewirken. Prinzipiell stellt sich die Frage, wie Reformen, also Umgestaltung oder Neuordnungen, mit einem Dogma noch zu vereinbaren sind. Beides geht nicht!

Kierkegaard radikal: „Glauben muss man gegen den Verstand.“

Bis hierher kann ich selbst als aufgeklärter Mensch einen fundamentalen Standpunkt nachvollziehen und verstehen, ohne ihn persönlich zu teilen. Verstehen jedoch kann ich nicht einen Papst Benedikt XVI., der sagt: „Ein Dialog wird nicht zeremoniellen Umarmungen und ängstlichen Schweigen geführt, sondern mit Logos, mit Wort und Vernunft.“

Nein, lau ist der Benedikt nicht, aber heuchlerisch in seiner Dialektik. Und da sind mir vom Charakter her ein Ernst Marx und seine Gemeinde lieber als dieses unbestimmte Lavieren des Vatikans und deren Protagonisten, die Dinge vermischen, wo es nichts zu vermischen gibt. So kann es in religiösen Fragen auch keinen Kompromiss zwischen progressiv und konservativ geben, da die Veränderung (progressiv) und das Bewahren (konservativ) immer in einem persönlichen Ermessen liegen und nicht verordnet werden können. Der vielbeschworene Kompromiss in Form von Toleranz ist nur bedingt akzeptabel. Goethe: „Toleranz sollte eigentlich nur eine vorübergehende Gesinnung sein: Sie muss zur Anerkennung führen. Dulden heißt beleidigen.“

Also, liebe Leser, achten wir darauf, die Dinge klar auseinanderzuhalten, die immer einen Standpunkt mit einbeziehen, egal auf welcher Seite. Ein fauler Kompromiss bekommt nie seinen Segen (siehe Offenbarung 3,15-19).

Wolfram Bauer, Nittel-Rehlingen