Kultur

Zum Artikel "Irrungen und Wirrungen eines verliebten Prinzen" über die "Schwanensee"-Aufführung in der Arena Trier (TV vom 16. Januar):

Die Aufführung des Klassikers "Schwanensee" des Russischen Staatsballetts in Trier war insgesamt gut, vor allem die tänzerische Leistung der Darstellerin der Odette/Odile, Anna Shcherbakowa, wenn auch ihre Interpretation der Tochter Rotbarts des Zauberers mimisch, vor allem aber von der Körpersprache her noch viel dämonischer, bösartiger hätte sein können. Ihr Tanz der Odile war zu weich und lieblich, nicht abrupt und konsequent, entschieden genug. Übrigens gibt es in diesem Solo der Odile 32, nicht 16 Fouettés, wie im Artikel stand. Der Prinz (Dmitry Kotermin) wurde tatsächlich des Öfteren "in den Schatten gestellt" - allerdings nicht so sehr von seiner Partnerin als vielmehr vom Hofnarren (Yaroslav Sinitsin) mit seiner Sicherheit in der Ausführung der Pirouetten, die immer perfekt gestanden waren, aber etwas sauberer hätten ausgeführt werden können. Kleine Unsauberkeiten kann er sich als Hofnarr leisten, als Prinz ist das schon etwas schwieriger, weil die Erwartungen des Publikums ganz andere sind. Keine leichte Position für Dimitry Kotermin vor allem auch angesichts des Aufführungsortes, der so gar nicht königlich war. Im Gegensatz zur akzeptablen Aufführung, die noch besser hätte sein können, hätten alle ihr Bestes gegeben, war die Arena Trier als Aufführungsort alles andere als akzeptabel: Ich werfe mich selbst nicht unbedingt in Schale, wenn ich ins Theater gehe, aber beim Anblick der Brezel- und Bierverkäufer am Eingang zur Halle, der Teenies, die ihre Brezel und Softdrinks im Zuschauerraum und sogar während der Aufführung verzehrten und etlicher Männer mit Plastikbechern mit Bier in den Sitzreihen wurde mir fast übel, und ich konnte nur noch mit Wehmut auf den dezenten samtenen Vorhang mit der silbernen Inschrift "Russisches Staatsballett" schauen: Viele leere Plätze trotz der 1000 Zuschauer in der sterilen, völlig unpassenden Halle, kein Orchester, nur konservierte Musik, die irgendwie irgendwo verhallte, genau wie der mäßige Beifall für die Leistungen der Tänzer. Man sollte die reziproke Beziehung zwischen Zuschauerraum und Bühne nie vergessen: Auch eine gute Vorstellung ist nur so gut wie ihr Publikum und die Atmosphäre, in der sie stattfindet. Gabriele Schaefer-Kodama, Bernkastel-Kues