Kultur

Zur Aufführung des Molière am Trierer Theater (der TV berichtete):

Wenn ich ein Stück von Molière zu inszenieren hätte, so könnte ich meinen persönlichen Assoziationen freien Lauf lassen, prunken mit dem, was ich schon weiß und kann, "moderne", freche und auch provokative - auch obszöne - Elemente einfügen usw. Ich könnte mich aber auch beschränken auf den Text und nur den Text, und mir sagen: Mehr ist mir von Molière de facto nicht geblieben. Damit will ich arbeiten. Wenn ich mich selbst darstellen will, sollte ich mein eigenes Stück schreiben. Der Text ist das Tor, das einzig Objektive, das mich mit diesem Stück und Molières Intentionen verbindet. Alles andere wäre von woanders herbeigeholt und hinzugefügt. Es folgte eine schwere, teils imaginative, teils praktische Arbeit, bis ich mich in dem Text bewegen könnte wie ein Fisch im Wasser. Diese Arbeit würde lange dauern, wäre mühselig jedoch auch bereichernd. Die Geduld würde belohnt. Das Stück finge an, sich selbst auszusprechen, und es käme mir die Inszenierung, bis in die Bewegung der verschiedenen Rollen, entgegen. Es wäre wirklich das Wesen des Stücks, das einem entgegenkommt, sich ausspricht. Jetzt könnte ich dem Stück Form geben und ich könnte mich der Hoffnung hingeben, Molière würde lächeln. In Trier sieht das anders aus. Der "talentierte" Regisseur ordnet Molière seiner "Originalität und Kühnheit" unter. Seine "Ideen" und "Phantasien", seine "originellen" Entgleisungen sind es, worum es geht. Nicht ein gefühlvolles Einleben in die Komposition, und der Autor gibt den Ton an. Ein Bemühen, die Qualitäten der Schauspieler in Szene zu setzen, ist nicht erkennbar. Nein, dass er sich befreit hat von Konventionen, vom Alten, ist angesagt. "Kühne" Provokationen sollen die Zurückgebliebenen im Zuschauerraum durchschütteln. Ernsthaft weiterbauen mit Respekt für das Alte, würde sicherlich bei ihm heißen, konventionell und krampfhaft am Alten festhalten. Das sind die Phrasen, die man braucht, um dagegen die eigene "Modernität" abzusetzen. Dr. Manfred Kölsch, Trier