Kultur

Zum Gastbeitrag "Unser Theatersystem ist ein Anachronismus, kein Weltkulturerbe" (TV vom 15. Juni) und zur Situation des Trierer Hauses:

Joachim Arnold verbreitet absurde Behauptungen, um Öffentlichkeit und Politik Sand in die Augen zu streuen. 1.) Zwar wurde die Berliner Krolloper 1843 in Privatinitiative (auf einem von Friedrich Wilhelm IV. geschenkten Grundstück) erbaut, musste jedoch bereits 1855 überschuldet schließen. Ihre Blüte erlebte sie tatsächlich zu Beginn des 20. Jahrhunderts, nachdem sie 1896 an den preußischen Staat verkauft wurde. Somit ist die Darstellung von Herrn Arnold falsch. 2.) Fürwahr wird das Zürcher Opernhaus in der Rechtsform einer AG betrieben. Herr Arnold verschweigt jedoch, dass es zurzeit jährlich fast 80 Millionen Schweizer Franken an Subventionen der öffentlichen Hand erhält. Dennoch sind für ein Ticket der besten Kategorie umgerechnet 260 Euro zu entrichten. Wie kann das Herrn Arnold entgehen, wenn er ein ehemaliger Mitarbeiter dieses Hauses ist? 3.) Auch im angelsächsischen Raum und in Frankreich ist das so. Das Londoner Royal Opera House erhält 30 Millionen Pfund und die Opéra National de Paris gar 100 Millionen Euro an Subventionen pro Jahr. Keines dieser Häuser ist ohne diese Mittel überlebensfähig. Zur Erinnerung: Nicht ich habe die Dickschiffe der europäischen Musik-Kultur in die Diskussion um den Fortbestand des Trierer Theaters eingebracht, er war es. Seine Ausführungen enden mit der kühnen Schlussfolgerung, "der private Betrieb eines Theaters auf hohem künstlerischen Niveau" sei "durchaus möglich". Jeder Schüler würde bei einer derartigen Argumentationskette "setzen, sechs!" zu hören bekommen. Nicht das Theatersystem, sondern seine Ideologie ist anachronistisch. Ferner fordert Herr Arnold den "Anspruch, Neues zu wagen" und serviert gleichzeitig mit seiner Musik&Theater Saar GmbH überwiegend künstlerische Hausmannskost. Werke wie "Rhapsody In Blue", "An der schönen, blauen Donau" oder das Musical "Cabaret" eignen sich kaum, um sich als mutiger Veranstalter auszuzeichnen. Ein derartiges Programm mag für eine Gala am Losheimer See oder im Zelt in Merzig die richtige Wahl sein, qualifiziert aber nicht, diffuse Kritik am Spielplan eines Stadttheaters zu üben. Niemand bestreitet, dass auch im Raum Trier auf Basis rein privatwirtschaftlicher Initiative größere Werke aufgeführt werden können, indem man namenlose Orchester aus dem Ausland engagiert, die nach der Aufführung ihre Schlafsäcke in Turnhallen ausrollen. Sänger und Schauspieler gibt es wie Sand am Meer - wozu also ein festes Ensemble unterhalten? Solche "Events" erfreuen auch die Politik, lassen sich in ihrem Rahmen doch vortrefflich feine Reden schwingen. Ist die Förderung der öffentlichen Institutionen dann versiegt und die Region erst zur Kultur-Brache mutiert, kann man auch die Preise für die Tickets der wenigen Sonderveranstaltungen in schwindelerregende Höhen treiben. Herr Arnold will sich als Impresario positionieren. Deshalb tritt er auf uns ein, obwohl wir bereits am Boden liegen. Wir aber erschaffen selbst aus dieser Position heraus noch Größeres, Schöneres und Wertvolleres, als er es mit der Musik&Theater Saar GmbH jemals leisten wird. Jörg Debbert, Leiter der Ton-Abteilung, Theater Trier

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