Kultur

Zur Berichterstattung über das Chaos am Theater Trier und zur Auflösung des Vertrags von Intendant Karl Sibelius diese Meinungen:

Nun scheint das Thema "Intendant" ja beendet zu sein, und trotzdem treiben mich ein paar Fragen um. Parallel zu dem Auflösungsvertrag, aus dem Karl Sibelius eine Abfindung von 300 000 Euro erhalten soll (was wohl dem langfristigen Vertrag geschuldet ist), wurde darüber berichtet, dass die Deutsche Bank von ihren Ex-Vorständen Boni zurückfordert. Nachgewiesenermaßen ist es ja so, dass ein nicht unerhebliches Minus im Theater Trier durch die Gastauftritte entstanden ist; wenn ich es richtig gelesen habe, dann sind das circa zwei Millionen Euro. Wieso wird die Abfindung nicht mit dem Minus, das entstanden ist, verrechnet, wie konnte dieses Minus überhaupt entstehen? Ich kann in meiner Firma nicht so ohne weiteres über zwei Millionen Euro verfügen, als Privatmann bekomme ich keine zwei Millionen Euro ohne Sicherheiten. Wie geht das bei einem Trierer Theater, das grundsätzlich ein Zuschussbetrieb ist? Irgendjemand hat diese Überweisungen doch getätigt und also wohl auch festgestellt, dass das Minus immer größer wird! Es muss in der Verwaltung Leute geben, die diese Vorgänge gesehen haben! Insoweit sind hier noch lange nicht alle Fragen beantwortet. Es ist zwar löblich, dass in Zukunft eine Art Quartalsbericht erstellt werden soll, aber an den Zuständigkeiten und den Genehmigungsbefugnissen ändert das ja zunächst einmal nichts. Michael Brill, Wasserliesch So ein Theater mit unserem Trierer Theater: das Desaster groß, die Kosten immens hoch, und zum guten Schluss noch der goldene Handschlag, dafür, dass der Intendant Karl Sibelius geht! Er hinterlässt einen großen Scherbenhaufen! Wie konnte das passieren? Das hätte viel eher erkannt und gestoppt werden müssen - auch ohne Stadtrat! Deutschlands älteste Stadt - dank Flüchtlingen und Studenten die jüngste Stadt in Rheinland-Pfalz, ist zwar Großstadt, aber dennoch viel zu klein, um sich mit Bühnen anderer Städte wie Köln, Stuttgart, Hamburg, München oder ähnlichen zu vergleichen. Und jetzt erst recht nicht mit dem Theater-Sparplan. Mein Vorschlag ist, sich auf andere Möglichkeiten zu besinnen, die in Trier und dem Umland schon recht bekannt und beliebt sind: Da wären das Kleine Volkstheater, Feyener Theatergruppe, Tufa, das Studio, Ehranger Theater, Bürgertheater und viele andere. Es gibt so viele Theater-Initiativen, die das jetzige Haus ohne hohe Sanierungskosten wiederbeleben und attraktiver gestalten könnten. Valentin Weber, Trier Katharina de Mos schreibt, dass der Bericht des Rechnungsprüfungsausschusses die Frage aufwirft, ob man dem Intendanten nicht zu viele Aufgaben aufgebürdet hat. Das hat man sicher nicht. Er kannte von Anfang an den Umfang der Aufgaben, die auf ihn warteten, und er hatte trotzdem noch Zeit und Muße, zigmal auf der Bühne zu stehen. Er hat nie auch nur den Anschein entstehen lassen, er sei überlastet oder überfordert. Selbst dann, als ihm der Oberbürgermeister einen Verwaltungsdirektor an die Seite gestellt hat, legte Sibelius größten Wert auf die Darstellung, er sei immer noch Generalintendant mit der vollen Verantwortung auch für die Finanzen. Er hat nicht eine Aufgabe freiwillig abgegeben, im Gegenteil. Sibelius ist gescheitert: Das war abzusehen, ist bedauerlich und für seine Zukunft sicher tragisch. Aber er ist nicht das Opfer, auch nicht das Opfer der vielen Aufgaben, allenfalls das Opfer seiner selbst. Wirkliche Opfer sind vielmehr diejenigen, die um ihre Existenz fürchten, weil ein beratungsresistenter Intendant den Karren in den Dreck gefahren hat. Sibelius hat zwei Jahre lang betont, er sei der Alleinverantwortliche und immer (auch als er es schon nicht mehr war) allergrößten Wert auf den Titel "Generalintendant" gelegt. Ich halte es für nicht tolerabel, dass er sich nun offensichtlich auf eine sehr starke juristische Position zurückzieht und sich seine Vertragsauflösung mit 300 000 Euro abkaufen lässt. Bemerkenswert ist, dass sich die Direktoren-Truppe, die Sibelius damals mit ans Theater brachte, nun im Angesicht der massiven Kritik an der Führung des Hauses elegant wegduckt. Als diese Mannschaft versucht hat, mit einem Erpressungsbrief an den Stadtrat Victor Puhl als Generalmusikdirektor zu verhindern, hat sie größten Wert darauf gelegt, dass sie nur als Paket zu haben sei und mit der Demissionierung der gesamten künstlerischen Führungsmannschaft gedroht. Sibelius hat sicher am Ende die größte Verantwortung in der jetzigen Katastrophe, aber seine von ihm berufene Führungsmannschaft hat diese ebenfalls, weil sie bei offensichtlichen Fehlentscheidungen nicht eingegriffen hat. Es reicht nicht, "Direktor" oder "Direktorin" auf die Visitenkarte zu drucken, das Gehalt zu kassieren und sich hier und da, wenn man anwesend ist, über das schöne Direktoren-Türschild zu freuen, man muss dann auch Verantwortung übernehmen. Das gilt besonders, wenn man sich nach außen als Team positioniert, das angeblich gemeinsam die Entscheidungen trägt. Hier haben der Rat und der Dezernent auf ein kollegiales Korrektiv vertraut, das am Ende als Team kläglich versagt hat. Spätestens wenn entschieden ist, welcher neue Intendant nach Trier kommt, sollte das übrig gebliebene Rumpfteam von Sibelius freiwillig die Konsequenzen ziehen und Platz machen für einen wirklichen Neuanfang, ohne auf irgendwelche Abfindungen zu spekulieren. Die 300 000 Euro müssten eigentlich für alle reichen. Gerd Dahm, Trier