Kultur

Zum Artikel "Für ihn war sie die Schönste" (TV vom 16. Februar) und zu den NS-Verstrickungen des Künstlers:

Wie der Bericht im Trierishcen Volksfreund schweigen fast alle Veröffentlichungen über die NS-Vergangenheit von Fritz von Wille und die Rolle, die der Burg Kerpen dabei zukam. Dabei ist die Faktenlage eindeutig. Der deutschnationale Fritz von Wille wurde laut NSDAP-Gaukarte schon am 1. Dezember 1931 unter der Mitgliedsnummer 846 224 Mitglied der Partei. Die vielfach als "Rückzugsort" für von Wille geschilderte Burg Kerpen war in Wirklichkeit zwischen 1932 und 1934 ein offenes Haus für seine Parteigenossen. Als sicherer Treffpunkt der lokalen und regionalen Nazigrößen wurden hier schon 1932 die Weichen für die NS-Herrschaft im Kreis Daun gestellt. Der berüchtigte Kreisleiter für Daun und Wittlich, Hans Walter Kölle, war zum Beispiel einer der NS-Stammgäste. Seine Nazifreunde schrieben ihre Begeisterung für Hitler ins Gästebuch. Einige Beispiele: "Vorwärts immer, rückwärts nimmer! Heil Hitler! 21.7.32. Es weht augenblicklich Hitler=Luft auf Burg Kerpen. 21.7.32. Im Kampf fürs Dritte Reich, 20.7.32. Gebt Hitler die Macht! 20.7.32 H. W. Kölle." Am 29. Juli 1933 tragen sich auch die Schriftstellerin Clara Viebig und ihr Ehemann Fritz Th. Cohn ins Buch ein. Das unleserliche Cohn ergänzt von Wille nachträglich in Druckschrift und kennzeichnet ihn mit einem Davidstern als Juden. Aus dieser Zeit stammen auch "die mehr als ein Bild mit Hakenkreuzfahne von Willes Hand" (Kurt Eitelbach) und das von seinen Parteifreunden benannte große "Fritz von Wille-RAD-Lager" in Gerolstein. Alle Veröffentlichungen über seinen Tod verschweigen die Fakten über die Bestattung am 21. Februar 1941. Die Parteiführung des Gaues Moselland machte eine pompöse Feier daraus. Die Parteiführer trugen den mit der Hakenkreuzfahne bedeckten Sarg zum Grab unter dem "Basaltfindling". Eine Fotoserie dokumentiert die ganze Szene. Das "Nationalblatt", Ausgabe Trier, berichtet am 22./23. Februar 1941 ausführlich darüber mit Foto auf der Titelseite. Der Bericht schließt: "Prof. von Wille war ein echter Eifelmensch. In ihm verlieren wir einen unserer bedeutendsten Künstler. Ihn zog es mit seiner Familie schon lange vor der Machtergreifung zu Adolf Hitler hin." Am Mythos des Malers Wille darf im Kreis Daun auch heute noch nicht gekratzt werden. Die Redaktion des Kreisheimatjahrbuches wies einen Beitrag des vielfachen Autors Franz Josef Ferber über den verfolgten Dauner Landrat Feldges zurück. Bei seiner Verabschiedung wollte man Feldges das Wille-Gemälde aus seinem Arbeitszimmer zum Geschenk machen. Er wies es mit den sinngemäßen Worten zurück: Mit dem Bild eines Nazis wolle er seine Privatwohnung nicht schmücken. Auch der Landrat war gegen einen Abdruck des Berichtes im Heimatjahrbuch. Schließen möchte ich mit dem Gruß eines SA-Sturmführers im Gästebuch von Willes "Rückzugsort", der Burg Kerpen: "Als Nazi-Hochburg ist sie weit und breit / bekannt bei allen Hitler-Leut. / Das Hakenkreuz, es weht im Sturm / als Siegeszeichen hoch vom Turm." Wolfgang Merkelbach, Pelm