Kulturgeschichte

Zum Artikel "Das seltsame Ideal der hohen Minne" (8. November):

Begrüßenswert ist sie, die Volksfreund-Serie "Kulturgeschichte der Menschheit", interessante und wichtige Etappen aus Philosophie, Kunst und Wissenschaften werden hier verständlich dargestellt. Doch da schleichen sich dann manchmal auch Vorstellungen ein, die nicht jeder Überprüfung standhalten. Recht haben die Autoren der Folge 19 (Das seltsame Ideal der hohen Minne), wenn sie den Minnesang als Gegenentwurf zur gesellschaftlichen Realität skizzieren. Problematisch werden allerdings Aussagen wie: "Die höfische Liebe war also zunächst nichts weiter als eine literarische Fiktion, aber sie ging bald in die reale Welt über", sodass "das reale Leben die Kunst nachahmt". Problematisch auch deswegen, weil sich so die Grenze zwischen lyrischem Ich und Autor vermischen, hier erkennbar an dem Begriff des "Kavaliers". Wer ist damit gemeint? Wer liebte wen? In der Realität waren Minnesänger bezahlte Künstler, die auf sehr hohem künstlerischen Niveau Gefühle und Sehnsüchte des adligen Publikums artikulierten und mitnichten biografische Erlebnisse zum Besten gaben. Und die "Verwandlung der selten geachteten Frau" in die "verehrte Dame" ist durchaus noch erklärungsbedürftig. Nichtsdestotrotz: Der Artikel zeigt wesentliche Facetten des höfischen Minnesangs, und die schöne Miniatur aus dem Codex Manesse lädt zum Lesen ein. Christoph Oberweis, Sirzenich