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leserbriefe
Kurzweilig, intelligent, mutig

Zum Artikel „Ein Abend für Gysi, ein paar Minuten für Marx“ (TV vom 2. September) schreibt Thea von Luxembourg:

Wie man durch einfaches Weglassen eine sehr einseitige bis verfälschte Darstellung liefern kann, das zeigt TV-Schreiber Rainer Nolden in seinen Zeilen zum „MarXperten-Abend“ in der Glockengießerei Saarburg. Mit keinem Wort wird die musikalische Darbietung der AnniKa von Trier erwähnt. Ihren Auftritt beginnt sie in der Rolle der Jenny Marx, die einen Brief an Karl schreibt, und mit ihrem Song „Karl Marx“.

Stattdessen stellt er sie als dem Charme ihres prominenten Gastes Gregor Gysi verfallene „Talkmasterin“ dar. Herr Nolden lässt die Aufforderung Gysis, der Trierer Uni endlich einen Namen, und zwar Karl-Marx-Universität, zu geben, ebenso unter den Tisch fallen wie die wiederholte Betonung, Karl Marx war nicht die DDR.

Und jammert stattdessen schon in der Headline über nur „ein paar Minuten“, die man dem großen Sohn der Stadt gewidmet habe, Gregor Gysi jedoch einen Abend.

Als Zuschauerin des „2. Salons der MarXperten“ schien mir jedoch, die anderen Salongäste teilten mit mir ein kurzweiliges und intelligent gestaltetes Vergnügen, bei dem Karl Marx keineswegs zu kurz kam. Ich fragte mich, ob der Rezensent überhaupt den ganzen Salonabend miterlebt hat oder sich im Vorhinein schon eine Meinung gebildet hatte.

Ja, AnniKa von Trier hat sich den Namen ihres Geburtsortes gegeben. Großartig. Und sie hat Songs zum 200. Geburtstag von Karl Marx geschrieben, sie hat eigens zu diesem Jubiläum ein Bühnenprogramm für das Mosel Musikfestival geschaffen. Und holt einen Gast vom Kaliber eines Gregor Gysi nach Saarburg. Mutig.

Thea von Luxembourg, Bollendorf