Landwirtschaft

Zum Artikel "Bauer sucht Nachfolger" (TV vom 15. März):

Landwirtschaftsministerin Ulrike Höfken kann man nur unterstützen in der Forderung nach Abschaffung der Hofabgabeklausel von 1957. Vor 55 Jahren herrschten völlig andere Strukturen als heute. Die heutigen Betriebsinhaber verfügen überwiegend über eine gute Berufsausbildung und auch über ausreichende Flächen sowie Tierbestände, um Altersvorsorge zu betreiben. Sie benötigen keine staatlich verordneten "Taschengelder" oder sogenanntes Tabaksgeld. Dass die jungen Betriebsinhaber für den Fortbestand der Hofabgabeklausel plädieren, ist verständlich, da so sichergestellt wird, dass die bewirtschafteten Flächen in absehbarer Zeit wieder auf dem Markt zur Verfügung stehen. Dem Zeitgeist folgend werden die landwirtschaftlichen Betriebe weiter wachsen und kräftig investieren in Vieh, Maschinen, Boden und Gewinne machen. Mit großem Trara wurde 1994/95 die Bauern-Frauenrente als sogenannte "Taschengeld rente" eingeführt mit der Begründung, der Bauersfrau Unabhängigkeit vom Willen oder Handeln des Bauern oder Betriebsinhabers zu verschaffen. Im Ergebnis wurde nur eine andere Abhängigkeit vom Altbauern erreicht, wie folgendes Beispiel zeigt: Die Bauersfrau, 65 Jahre alt, bezieht ihre Rente. Der Bauer wird 65 Jahre alt und könnte Rente bekommen. Er gibt aus verschiedenen Gründen den Betrieb nicht auf und wirtschaftet weiter. Ergebnis: Die Ehefrau verliert ihre Rente. Wo bleibt da die vom Gesetzgeber und vom Bauernverband angestrebte Unabhängigkeit der Bauersfrau? Hat sie sich ihre Rente nur "verdient", wenn ihr Ehemann mit 65 in Rente geht? Ist das im Hinblick auf die von den Bauersfrauen geleistete Arbeit gerecht? Ottmar Lehnertz, Schleidweiler

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