Landwirtschaft

Zum Leserbrief "Macht und Ohnmacht" (TV vom 14./15. Januar) und zur Berichterstattung über die Preise für Fleisch und Milch, die Lage der Bauern und die Rolle der Verbraucher:

Es ist zwar löblich, dass Sie, Herr Schmitz, versuchen, eine Lanze für die heimischen Landwirte zu brechen, dass Sie das aber tun, indem Sie Schlagworte sinnlos und unreflektiert aneinanderreihen, zeigt, dass Sie nicht wirklich wissen, wovon Sie reden. "Industrielle Landwirtschaft", "Massentierhaltung", "Überzüchtung", "Entartung", "Monokultur", "Hormone", "Antibiotika", Agrarlobby", "Monstertraktor" sind leere Worthülsen, die zwar Assoziationen wecken (sollen), letzten Endes aber unkommentiert nichts sagen. Beispiel Massentierhaltung: Die Größe eines Stalles sagt nichts darüber aus, wie es den Tieren darin geht. Man kann zehn Schweine auf fünf Quadratmetern halten oder 1000 Schweine auf 1000 Quadratmetern. Wo haben die Tiere mehr Platz? In den modernen Ställen geht es den Tieren besser, als es ihnen jemals vorher gegangen ist. Gehen Sie mal ins Freilichtmuseum in Bad Sobernheim. Da gibt es einen Schweinestall von vor rund 300 Jahren. Vergleichen Sie diesen mal mit den heutigen Schweineställen. Wo geht es den Schweinen besser? Es ist schlichtweg falsch, dass in modernen Haltungssystemen Tiere gequält würden oder leiden müssten. Tiere werden mit Hormonen und Antibiotika vollgepumpt? Blödsinn! Die Steigerung der Mastleistung durch den Einsatz von Hormonen und Antibiotika ist bei uns verboten und findet schlicht und ergreifend nicht statt. Stellen Sie sich mal den Aufschrei in den Medien vor, wenn an irgendeinem Schlachthof ein Tier mit unnatürlich erhöhtem Hormon- oder Antibiotikagehalt gefunden würde. Dadurch, dass solche Aussagen von bestimmten politischen Gruppierungen und NGOs immer wieder kolportiert werden, werden sie nicht richtiger. Monstertraktoren verdichten den Boden? Traktoren, egal ob groß oder klein, sind dazu da, genau das Gegenteil zu tun: nämlich den Boden aufzulockern. Landwirte wissen ganz genau, wie sie diese Maschinen sinnvoll einsetzen. Die haben das nämlich in einer intensiven Ausbildung gelernt. Man könnte noch Tausende von Argumenten gegen das anführen, was Sie, Herr Schmitz, hier losgelassen haben. Es ist grundsätzlich richtig, dass es in unserer Gesellschaft Probleme mit der Wertschätzung von Nahrungsmitteln gibt. Das ewige Wiederholen und Herausposaunen von populistischen Plattitüden hilft aber niemandem. Andreas Steinberg, Seffern Es tut sich ein großes Dilemma zwischen Landwirtschaft und Verbraucher auf, was unbedingt klarer Worte und Aufklärung bedarf. Es ist die verdammte Pflicht der Politik und der landwirtschaftlichen Gremien, jedem begreiflich zu machen, dass die Schleuderpreise für Lebensmittel nur unter den jetzigen Erzeugerstandards möglich sind. Anscheinend liegt in diesem Vorhaben noch vieles im Argen. Sonst wäre es nicht zu verstehen, warum die Landwirtschaft ständig in Funk, Fernsehen und Zeitschriften als Prügelknabe herhalten muss. Um den Wünschen der Bevölkerung entgegenzukommen, müsste die Produktion auf das Niveau der 60er Jahre zurückgefahren werden. Das würde eine Verteuerung der Nahrung bedeuten, aber noch im vertretbaren Maße. Für die Landwirte könnten und sollten höhere Erlöse dabei herausspringen. Die messbaren sowie die unsichtbaren Verbesserungen, die daraus resultieren, müssten es allen Beteiligten wert sein. Eine "Ri-Ra-Rutsch, wir fahren mit der Kutsch"-Politik wird der wichtigen Stellung, die unsere Landwirtschaft hat, nicht gerecht. Es liegt an allen Partnern, für welche Wege man sich entscheidet. Fest steht, dass in der augenblicklichen Situation die bäuerliche Landwirtschaft auf Dauer finanziell im Abseits steht und so den industriellen Finanziers das Feld überlassen werden muss. Das könnte bedeuten, dass es später mal heißt: Und fragst du nach den Bauern, du findest sie nicht mehr! Bernhard Unkelbach, Grafschaft