Katholische Kirche: Lasst uns loslegen! Lasst frische Luft hinein!

Katholische Kirche : Lasst uns loslegen! Lasst frische Luft hinein!

Zum Artikel „Reformkritiker werfen Trierer Bischof Taschenspielertricks vor“ (TV vom 31. Januar) schreiben Dr. med. Joachim Hölle-Gindorf und Johannes Mohr:

Ich habe am 26. Januar eine Ideenwerkstatt im Angela-Merici-Gymnasium in Trier besucht. Eingeladen waren Haupt- und Ehrenamtliche aus allen „Kirchorten“ (ich würde das „Ort des Glaubens“ nennen!) der zukünftigen Großpfarrei Trier. Viele Leute trafen sich zu einem stimmungsvollen Gottesdienst, einem Informationsblock und einem Ausblick, wie lebendige Kirche in fünf bis sieben Jahren aussehen könnte. Insbesondere die Ergebnisse des letztgenannten Teils lassen hoffen, dass Kirche, vom Geist Gottes erfüllt, wieder aufblühen wird.

Sehr viele Teilnehmer äußerten ihre Enttäuschung darüber, dass die Pfarreigründung in Trier nun von Bischof Stephan Ackermann um zwei Jahre verschoben wird. Manche fühlten sich ausgebremst. Ich hatte den Eindruck, dass viele der Anwesenden in den Startlöchern standen und loslegen wollten: Anpacken, vorhandene Angebote weiterentwickeln, Neues beginnen.

So wurde zum Beispiel eine City-Kirche in Trier mit Begegnungsmöglichkeiten für alle vorgeschlagen. Aber auch das Festhalten an erhaltenswerten Strukturen in den kleinen Dörfern und Stadtteilen wurde angemahnt. Ich dachte mir, da sind so viele kreative Ideen. Da kannst du gar nicht überall mitmachen.

Entscheidend wird sein, was von Seiten der Bistumsleitung an Kreativität von der Basis her zugelassen wird. Ehrenamt soll laut Synode ausdrücklich gestärkt werden. Ob die Kirche das schafft? Die wichtigste Aufgabe der hauptamtlichen Seelsorger wird aus meiner Sicht sein, Gläubige zu gewinnen und zu selbstständigem Wirken in den bisherigen Gemeinden anzuleiten. In den Siebziger- und Achtzigerjahren waren wir schon einmal so weit, bis die Uhr wieder zurückgedreht wurde. Lebendiger Glauben vor Ort kann nur von unten wachsen.

Jetzt bietet sich die Chance, unseren oft so engen Horizont zu weiten. Öffnen wir die Kirchentüren und lassen frische Luft hinein, fassen wir neuen Mut, schauen wir über den Tellerrand und lernen von den anderen. Wir denken oft so pessimistisch. Das ist ganz und gar nicht pfingstlich.

Den ewigen Nörglern möchte ich mitgeben: Gemeindeleben in engen Grenzen, der Kampf um den Schlüssel für das Pfarrheim, Festhalten an Verwaltungsstrukturen, Festklammern an Kirchenvermögen sind Dinge, die der Vergangenheit angehören sollten.

Ist solches Denken im Sinne Jesu? Wenn Gemeinde lebendig sein soll, dann liegt das hauptsächlich in der Hand der Ehrenamtlichen vor Ort. Sie können Glauben vorleben, ob die Pfarrei nun 1000 Seelen oder 60 000 Seelen zählt. Gemeinde wird genauso lebendig sein, wie wir bereit sein werden, uns zu engagieren.

Dr. med. Joachim Hölle-Gindorf, Trier

Neustart ist immer wieder nötig, aber wie und wohin?

Die Forderungen nach Frauenpriestertum, Abschaffung des Zölibats, Segnung homosexueller Paare et cetera sind ja schon in den protestantischen Kirchen realisiert. Über den Erfolg kann sich jeder orientieren. Wenn dies alles auch in der katholischen Kirche umgesetzt werden soll, wird es eine neue Spaltung geben. Jeder Christ hat schon jetzt die Wahl.

Die katholische Kirche ist eine geistliche Gemeinschaft der Menschen, die zu Jesus gehören, auf die Heilige Schrift hören und sich vom Geist Gottes leiten lassen. Reformen der Struktur sind bisweilen nötig, aber die Erneuerung kann nur vom Heiligen Geist erbetet werden.

Die Kirche ist ein Werk des Heiligen Geistes. Die persönliche Beziehung zu Jesus, die Mitfeier der Gottesdienste, der Empfang der Sakramente, Evangelisation und Werke der Nächstenliebe müssen immer wieder neu gefördert und von den Mitgliedern aufgenommen werden. Der Sinn muss neu entdeckt werden. Abschaffung von in sich guten und bewährten Einrichtungen bringt nur Verarmung.

Neustart ja, aber zurück zu den Wurzeln!

Johannes Mohr, Trier

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