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leserbriefe
Leid mindern, Leben retten

Zum Leserbrief „Schwierige Entscheidung“ (TV vom 26. September) schreibt Dr. Wilhelm Theisen:

Der Beitrag von Facharzt Jurrien Mak kann nicht unwidersprochen bleiben. Ich möchte seinen Darlegungen entgegenstellen: Abtreibung ist nach dem Strafgesetzbuch nicht rechtmäßig (legal), sondern unter gewissen Bedingungen nur straffrei.

Abtreibung ist kein speziell kirchliches, insbesondere katholisches Problem, sondern ein gesellschaftliches. Schon aufgrund ihrer Lehre steht jedoch die katholische Kirche in der Verpflichtung, eindeutig und aktiv für das Recht auf Leben eines jeden Menschen von der Empfängnis bis zum Tod einzutreten.

Das neue menschliche Leben, welches durch die Verschmelzung von väterlichem und mütterlichem Erbgut bei der Zeugung entsteht, wird seit jeher als Kind von Vater und Mutter bezeichnet und behält diesen Status sein Leben lang bei.

Die Entwicklungsstadien des Kindes vorgeburtlich werden medizinisch in zeitlicher Reihenfolge mit Zygote, Embryo und Foetus bezeichnet.

Während meiner Ausbildung zum Facharzt und während langjähriger Tätigkeit als Anästhesist wurde ich nie zur Mithilfe bei einer Abtreibung aufgefordert. Ich musste meine abweisende Haltung nicht unter Beweis stellen. So kam ich auch nicht in Konflikt mit dem ärztlichen Gelöbnis, welches dazu verpflichtet, Leid zu mindern und Leben zu retten.

Dr. med. Wilhelm Theisen,  Facharzt für Anästhesie und Intensivmedizin i. R., Trier