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Bildung: Leider etliche Tücken

Bildung : Leider etliche Tücken

Zu den Leserbriefen „Ist ja witzig!“ (TV vom 13./14. Februar) und „Zieht sich wie ein roter Faden“ (TV vom 19. Februar):

Die beiden Leserbriefe haben mich beruhigt, dass es noch andere Eltern gibt, die den Irrsinn der veralteten Schulbücher kritisieren. Ich möchte noch ein Ärgernis hinzufügen, welches mir jedes Jahr Kopfschmerzen bereitet. Man kauft Schulbücher, gebraucht oder neu, und dann kann es passieren, dass das Erdkundebuch, gerade mal drei Jahre alt, nicht mehr von der Schwester weiter benutzt werden kann, da inzwischen eine Neuauflage erschienen ist. Sehr ärgerlich. Vor allem, weil das Buch oft gar nicht überarbeitet beziehungsweise aktualisiert worden ist, welches die „Neuauflage“ rechtfertigen würde, manchmal werden Seiten getauscht. Wenn man ganz großes Pech hat, dann muss man sich sogar ein Buch, welches für zwei Jahre (9./10. Klasse) ausgelegt ist, zwischendurch neu besorgen – Sie ahnen es: „Neuauflage“!

Man hat versucht, mir dieses Problem mit dem Gewinnverlust der Hersteller durch die Schulbuchausleihe zu erklären, das finde ich nicht akzeptabel. Gut, man könnte an der Schulbuchausleihe teilnehmen oder in ein anderes Bundesland ziehen, in dem die Schulbücher kostenlos zur Verfügung gestellt werden, nun denn, an dem Grundproblem ändert es nichts; der, wie ich sie leicht ironisch nenne: Schulbuchmafia.

Pia Schneider, Paschel

Zu dem Leserbrief „Ist ja witzig!“ möchte ich als Lehrerin und Mutter von drei schulpflichtigen Kindern gern Stellung nehmen, damit kein falsches Bild entsteht: Den Aufhänger bildet das eingesetzte Buch für Naturwissenschaften (NaWi). Für einen Schulbuchwechsel gibt es Fristen zum frühesten Wechsel eines im Rahmen der Schulbuchausleihe genutzten Lernmittels; bei einem Einjahresband liegt dieser nach drei Jahren, bei einem Zweijahresbandes nach sechs Jahren. In diesen Prozess spielt aber auch hinein, ob es geeignete Neuauflagen auf dem Markt gibt.

Der Kritikpunkt „Auch die Lehrerin hat die Entwicklung der LEDs offenbar verschlafen …“ hätte in meinen Augen bereits mit der Kommunikation mit der jeweiligen Lehrperson vermieden werden können. Überlegen wir mal den Fall, dass der 12-jährige Sohn wissbegierig seine Lehrerin hätte fragen können, wie die LED-Lampe in seinem Kinderzimmer funktioniert.

Ja, auch ich verwende in meinem NaWi-Unterricht noch ein solches „altertümliches“ Lehrwerk und habe auch kein schlechtes Gewissen, meinen Schülerinnen und Schülern diese wichtige, historische Entdeckung näherzubringen. Denn ohne sie hätten Generationen von Menschen vielleicht noch mit Kerzen hantiert. Ich gehe schon auf die licht-emittierende Diode ein. Aber für Kinder dieser Altersstufe ist es einfacher zu verstehen, dass ein elektrisch erhitzter Wolframfaden, der glüht, nicht nur Wärme, sondern auch Licht erzeugt. Die Halbleitertechnik einer LED ist hingegen erst zu einem späteren Zeitpunkt nachvollziehbar.

Als weitere Kritik werden die nicht angebotenen Videokonferenzen angeführt. Auch hier hätte sicher der geäußerte Wunsch nach einer solchen Konferenz bei der Lehrerin etwas bewegen können. Sie wird ihre Gründe haben, warum sie sie nicht anbietet. Unfair finde ich es aber, in der Öffentlichkeit eine solche pauschalisierte Kritik anzuführen.

Aus meiner Sicht und Erfahrung: Im Herbst wurde Webex von Big Blue Button (=BBB) abgelöst. Ich hatte zu dieser Software relativ früh meine Zugangsdaten, während es bei einigen Kolleginnen und Kollegen noch einige Zeit länger dauerte. Bei der Nutzung von BBB gibt es leider etliche Tücken; eine solche Sitzung kann und wird in keiner Weise den Präsenz-Unterricht ersetzen. Die Schülerinnen und Schüler beschäftigen sich unter Umständen wiederholt mit dem Wiedereinwählen, weil die Verbindungen nicht stabil sind. Für meine Sitzungen bedeutet dies, dass sie jedes Mal wieder meine Zugangsbeschränkungen passieren müssen. Ohne diese Abfragen besteht nämlich die Gefahr von ungewollten Störenfrieden. Über solche erschreckenden Fälle ist schon in den Medien berichtet worden.

Bei meinen Kindern merke ich, dass die Konzentration nach einer gewissen Zeit nachlässt. Die Oberfläche von BBB ist so vielschichtig, dass sie schnell in eine Ablenksituation kommen. In meinen Augen ist es sinniger, sich auf die Hauptfächer oder zumindest die Fächer zu konzentrieren, in denen die Kinder mehr Unterstützung durch Lehrpersonal benötigen.

Zum Kritikpunkt „Wir wollen in der Schule ja nicht fürs Leben lernen, oder etwa doch?“ kann ich Frau Ludwig nur beruhigen, denn allein die Tatsache, dass ihr Sohn nun weiß, wo die älteste Glühlampe der Welt hängt, zeigt, dass er aus einem Text die wesentlichen Informationen herausfiltern kann. Diese Fähigkeit wird er sein Leben lang gebrauchen können. Außerdem kennt er nun diese historische Erfindung und kann sie vielleicht auch von seiner Bedeutung für die Menschheit einordnen.

Zusammenfassend ist es mir wichtig, dass die direkte Kommunikation zu den Lehrpersonen gesucht wird, damit vorhandene Probleme zeitnah aus der Welt geschafft werden können.

Simone Harig, Konz