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leserbriefe
Leider nur alte Klischees

Zum Artikel „300 000 Kinder mehr profitieren“ und zum Kommentar „Verantwortungslose Väter kommen zu leicht davon“ (TV vom 18. Juli) schreibt Julia Bengart:

Auch wenn der neue Unterhaltsvorschuss in vielen Fällen den nun neu hinzugekommenen Leistungsbeziehern unter dem Strich nicht mehr Geld beschert, hilft er insbesondere alleinerziehenden Frauen mit ihren Kindern, den Weg aus der Abhängigkeit vom Jobcenter zu finden. Dass der TV diese Initiative der Bundes-SPD positiv kommentiert, ist also folgerichtig.

Den vorgenommenen Vergleich mit dem Verfolgen eines Knöllchens, verbunden mit einer pauschalen Schelte der Kommunen, diese verfügten nicht über geschultes Personal und verzichteten nachlässig auf Einnahmen, indem sie säumige Väter aus der Verantwortung entließen, ist allerdings schlicht unseriös und so pauschal sicher nicht zu halten. Zudem verwechselt Stefan Vetter Unterhaltspflicht mit Zahlungsfähigkeit.

Ein Rückgriff auf den zum Bar-Unterhalt verpflichteten Elternteil ist dann möglich, wenn ein Vorschuss gezahlt wurde, der/die Unterhaltspflichtige aber zu dem Zeitpunkt eigentlich leistungsfähig war, was in einer Vielzahl der Fälle aber gar nicht gegeben ist.

Die Novellierung des Unterhaltsvorschussgesetzes zum 1. Juli 2017 hat beim Stadtjugendamt Trier zu einer Verdoppelung der Zahlfälle geführt. Die Mehrarbeit wurde mit lediglich einer halben zusätzlichen Stelle bewältigt.

In Trier haben wir nach dem Bericht des Jugendamtes seit Jahren eine stabile und im Landesvergleich hohe Rückholquote, die kurzfristig durch den neuen Unterhaltsvorschuss etwas zurückgegangen ist. Ein Grund dafür ist die zeitliche Verzögerung zwischen dem Mehraufkommen an Zahlfällen (Zahlung hat Vorrang vor Rück­griff) und dem Realisieren des Rückgriffs. Die grundsätzlich gegebene hohe Rückholquote beim Stadtjugendamt Trier dürfte gerade dem Engagement und der Kompetenz der Verwaltungskräfte geschuldet sein.

Der Kommentar bedient in Unkenntnis der Fakten leider nur alte Klischees von verantwortungslosen Vätern und inkompetenten Verwaltungsmitarbeitern. Beides lässt sich – zumindest für Trier – nicht feststellen, so dass die Unterstützung der Alleinerziehenden in der Regel durch den neuen Unterhaltsvorschuss nur in den Fällen ohne Rückgriff gewährt wird, wo es auch tatsächlich erforderlich ist. Das ist genau so auch von der SPD gewollt und ein echter Beitrag zu einer solidarischen Gesellschaft.

Julia Bengart, Trier