| 16:40 Uhr

leserbriefe
Leider sehr einseitig

Zu den Artikeln „Regionale Spielhallen-Betreiber ziehen gegen Verbote vor Gericht“, „Gespielt, gehofft und doch verloren“ (TV vom 16. August) sowie „Ab zwölf Jugendlichen wird’s eng“ (TV vom 17. August) schreiben Eva Heitkötter und Sarah Adam:

In der Berichterstattung über die Abstandsregelung im Landesglücksspielgesetz, in dem geregelt wird, dass Spielhallen ab 2021 einen Abstand von 500 Metern zu Jugendeinrichtungen einhalten müssen, kommt der Vertreter der Löwengruppe, Daniel Henzgen, zu Wort, der diese Maßnahme als „Tor zur Hölle“ beschreibt. Durch das „Tor zur Hölle“ betreten seiner Meinung nach mehr Menschen rechtsfreie Räume und gingen Online-Angeboten nach, um Glücksspiel zu betreiben.

Leider fehlt es in den verschiedenen Artikeln an Stimmen aus der Fachwelt für Glücksspielsucht, was das Ganze sehr einseitig erscheinen lässt.

Herr Henzgen vertritt die Glücksspielbranche und steht deshalb dem neuen Gesetz naturgemäß nicht positiv gegenüber. Vonseiten der Suchtberatung und Suchtpräventionsstellen lässt sich hierbei ebenfalls von einem „Tor der Hölle“ sprechen – aber von dem „Tor zur Hölle“ in die Suchterkrankung.

Dabei ist es keinesfalls so, dass die Abstandsregelung als alleinstehende Maßnahme zur Suchtprävention gesehen werden darf, sondern immer eine von mehreren Ebenen darstellt, die Kinder- und Jugendliche vor der Entwicklung einer Suchterkrankung schützen sollen. Eine Suchterkrankung ist nicht losgelöst von den Faktoren Umwelt, Persönlichkeit und dem Suchtmittel selbst zu betrachten. Alle drei Faktoren spielen eine Rolle bei der Entstehung und müssen entsprechend bei der Prävention beachtet werden.

Folglich ist es durchaus von Relevanz, ob eine Glücksspielhalle sich in der Nähe einer Jugendeinrichtung befindet oder nicht. Die Zugänglichkeit gestaltet sich wesentlich einfacher und erzeugt gegebenenfalls überhaupt erst die Option eines Besuches in dieser Halle.

Unbestritten gibt es das Angebot unzähliger illegaler Online-Angebote im Glücksspielbereich. Diese Tatsache rechtfertigt jedoch nicht, das Angebot noch größer und erreichbarer für Jugendliche zu gestalten, die entwicklungsbedingt besonders empfänglich für Werbung sind.

Auf dem Schulweg täglich an einer Spielhalle vorbeilaufen zu müssen, kann das Glücksspiel überhaupt erst als Möglichkeit in das Bewusstsein von Jugendlichen rücken.

Ziel der Prävention ist es, über Risiken des Glücksspiels aufzuklären (Suchtmittel), durch Wissensvermittlung Verhaltensreflexion zu fördern (Persönlichkeit) sowie die Zugänglichkeit (Umwelt) zu regeln und alternative Freizeitangebote zu schaffen. Mit diesen Maßnahmen versuchen wir Menschen zu schützen, damit sie eines Tages nicht durch das „Tor der Hölle“ zur Suchterkrankung gehen, sich verschulden, ihre Berufsausbildung in den Sand setzen, Partnerschaften und überhaupt ihre private und berufliche Existenz gefährden und anschließend auf Hilfe von außen angewiesen sind.

Da erscheint doch das Argument, dass durch eventuelle alternative Nutzung von Internetglücksspiel Geld in den kommunalen Kassen fehlen würde, allzu fadenscheinig – fürchtet hier eine milliardenschwere Automatenindustrie nicht lediglich Umsatzeinbußen?

Die Gesundheit von jungen Menschen sollte vor wirtschaftlichen Interessen stehen. Zudem bedeutet die Abstandsregelung kein endgültiges Aus für die jeweiligen Spielhallen – ein Umzug mit neuer Lizenzvergabe ist möglich. Das „Tor zur Hölle“ bleibt offen …

Eva Heitkötter, Fachstelle Spielsucht im Caritasverband Mosel-Eifel-Hunsrück, Geschäftsstelle Wittlich, Sarah Adam, Fachstelle Spielsucht bei der Suchtberatung „Die Tür“, Trier