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Atomkraft
Eine Last, die schier unerträglich ist

Zu unserem Bericht „Cattenom als Garant für Klimaschutz?“ (TV vom 28. März) schreibt Claudia Nelgen, Schöndorf:

Es ist schon interessant, dass neuerdings sogar die Gefühlswelt in Anspruch genommen wird, um die insgesamt nicht zu beherrschende und daher gefährlichste aller Technologien, die Nukleartechnologie, schönzureden. Da ist von der imposanten Kulisse des Kernkraftwerks Cattenom die Rede und dass aus seinen Kraftwerkstürmen an diesem „kühlen Frühjahrsmorgen weißer Dampf auf(steigt), der sich am wolkenlosen blauen Himmel verteilt“ – wie idyllisch.

In welch guter Gesellschaft sich der Autor des Artikels mit seinen Empfindungen glaubt, zeigt ihm ein Blick ins Gästebuch, in dem Schüler ihrer angeblichen Faszination Ausdruck verleihen … – wiewohl darin tatsächlich nur von einem „genossenen Tag“, „sehr interessant“ und „danke für die Information“ die Rede ist.

Fasziniert ist er überdies von den Ausführungen und der Begeisterung des Direktors der Anlage, Thierry Rosso, wenn der über „sein“ Kraftwerk redet und überdies meint, von den 44 sicherheitsrelevanten Zwischenfällen im Jahr 2018 seien doch lediglich fünf „offiziell als Störung bewertet worden“… – also ein bisschen gefährlicher gewesen.

Wie bitte? Da muss man sich doch wirklich mal kräftig die Augen reiben beim Lesen. Was will uns Herr Wientjes mit diesem Artikel sagen? Ist er etwa der großen Illusion anheimgefallen, mittels der Atomkraft ließe sich der Klimawandel aufhalten?

Da tut Aufklärung not. Die Gesamtbilanz der Kernenergieerzeugung zeigt nämlich ein völlig anderes Bild auf. Dem CO2, das beim Uranabbau, beim Bau des Kraftwerks und bei der Atommüllentsorgung (den Rückbau der Kernkraftanlage noch nicht mal miteingerechnet!) entsteht, steht eine Energieeffizienz von lediglich 33 Prozent des modernsten AKW gegenüber. Soll heißen: 67 Prozent der durch riskante Kernspaltung erzeugten Wärme wird ungenutzt über Abluftkamine und Flüsse abgeleitet. In der Gesamtbilanz bedeutet dies: Eine Kilowattstunde Atomenergie verursacht im Durchschnitt 32 Gramm CO2.

Zum Vergleich: Die Effizienz eines Blockheizkraftwerkes liegt bei 80 bis 90 Prozent, und selbst wenn in einem solchen Kraftwerk schlimmstenfalls ausschließlich fossile Brennstoffe verbrannt würden, wäre die CO2-Bilanz dieselbe, ohne dass damit irgendwelche Risiken verbunden wären.

Die Gefahr des Supergaus hängt indessen wie ein Damoklesschwert über der gesamten Menschheit, ein Schwert, das nun bereits zweimal zugeschlagen hat. Und etliche Male sehr, sehr nahe dran war. Ganz unabhängig davon drückt die Last eines bereits jetzt sich täglich um mehr als 30 Tonnen erhöhenden hochradioaktiven Müllbergs – Tendenz wachsend, denn gerade befinden sich 147 AKW in Planung, die dann also in ein paar Jahren noch einmal zehn Tonnen beisteuern werden. Eine Last, die schier unerträglich ist, denn bisher wurde nicht eine einzige haltbare Lösung dafür aufgezeigt.

Steht zu hoffen, dass eine sich nun dieser Probleme bewusstwerdende Jugend sich unverdrossen und anhaltend zur Wehr setzt.