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Leserbrief von Hans-Werner Weisskircher zu Corona-Impfungen

Medizin : Wenn Politiker auf medizinische Behandlungen Einfluss nehmen, ist das kritisch zu bewerten

Corona und Impfungen

Zum Artikel „Ungeimpfte stellen eine langfristige Gefahr dar“ (TV vom 7. August):

„Ungeimpfte stellen eine langfristige Gefahr dar.“ Mit dem Statement des deutschen Vorsitzenden des Weltärztebundes Montgomery, dass Ungeimpfte eine Gefahr für die Gesamtgesellschaft darstellen, da sie sich infizieren werden, stigmatisiert er aus meiner Sicht eine zum größten Teil gesunde Bevölkerungsgruppe als Krankheitskeim, den es zu bekämpfen gilt. Damit missachtet er den Gründungsgrund seiner Gesellschaft, der er vorsteht. Dieser besagt, dass seine Organisation für die Unabhängigkeit der Ärzte und für die höchstmöglichen ethischen Standards ärztlichen Handelns und Behandelns steht.

Mit seiner Ethik werden nach meiner Überzeugung Menschen diskriminiert, die aus persönlichen Gründen mit ihrem vom Grundgesetz zugebilligten Recht auf körperliche Unversehrtheit von der Impfung zum jetzigen Zeitpunkt oder generell absehen. Mit seiner Logik stellt die kleinere Gruppe der Ungeimpften eine größere Belastung für die medizinische Versorgung dar, als die Gesamtgruppe der Bevölkerung es zur Zeiten vor der Impfung gewesen war.

Er wie seine standespolitischen Kollegen im Vorsitz von Ärztekammern und kassenärztlichen Vereinigungen sollten sich bitte mit ihren Impfpflichtäußerungen im Klaren sein, dass bei der Entscheidung zu einer Impfung der Arzt dem Patienten beratend zur Seite stehen sollte, immer noch das Nihil Nocere (Latein für: nicht schaden, Bestandteil des hippokratischen Eides, Anmerkung der Redaktion) gilt und nicht von ärztlichen Standespolitikern unter Druck gesetzte Landräte oder Ministerpräsidenten als medizinische Vertrauenspersonen herhalten können.

Unabhängig davon, dass eine breit angelegte Impfung dem Gesundheitssystem zu Gute kommt, ist die Einflussnahme von Politikern auf medizinische Behandlungen oder Empfehlungen immer kritisch zu bewerten. So sollte Herr Lauterbach, der froh sein kann, dass der Begriff Experte nicht rechtlich geschützt ist, keinen politischen Druck auf eine seriöse unabhängige medizinische Stelle wie die Stiko (Ständige Impfkommission)  öffentlich ausüben dürfen. Das ist für mich eine Gefahr für die Gesamtgesellschaft.