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Leserbrief von Willi Leinen zur Verantwortung bei der Flutkatastrophe

Meinung : Warnungen zu versenden, reichte nicht aus

Flutkatastrophe

Zu den Artikeln „Warum der Ahr-Landrat nicht im Einsatz war“ und „Flut: Staatsanwalt ermittelt gegen ,dritte Person‘“ vom 7. August:

Nach mehr oder weniger spürbarer Betroffenheit bei politischen Besuchen in Überflutungsgebieten wird nun nach Schuldigen gefragt, denn lauter werden die Wortmeldungen, ob nicht so viele Tote zu verhindern waren. Schnell wird die Verantwortung in einem der etwa 400 Landkreise und kreisfreien Städte gesucht, nicht etwa im Bundesamt für Bevölkerungsschutz oder im Katastrophenschutz der Länder, der alle Maßnahmen umfasst, mit denen Gefahren von Menschen, Umwelt und Infrastruktur im Falle einer Großeinsatzlage oder in der Katastrophe abgewendet werden. Nein, ein Landrat war es mutmaßlich, der in einer absoluten Ausnahmesituation nicht richtig reagiert haben soll.

Da frage ich mich, soll das Leben der Menschen davon abhängen, dass in Ausnahmesituationen in jeder der vierhundert Landkreise und kreisfreien Städte professionell in einer solch einmaligen Herausforderung entschieden wird? Kann das überhaupt erwartet werden?

Schon Tage vor der Katastrophe wurde  in den Medien vor Starkregen und möglichen Überflutungen gewarnt.

Diese Warnungen widersprachen der Aussage von NRW-Innenminister Reul, der nach der Katastrophe sagte, das Wesen von Katastrophen sei, dass sie nicht vorhersehbar sind. Es reichte nicht aus, Warnungen zu versenden. Es ändert auch nichts, jetzt über Sirenen oder Warn-Apps zu philosophieren.

Lebensgefahr von Menschen abwenden, das geschieht durch Tun und vor dem Unglück. Am Tag der Katastrophe durfte meines Erachtens niemand im Katastrophenschutz, ob im Bund oder im Land,  Feierabend machen, bevor er sich nicht mehrfach vergewissert hat, dass vor Ort Warnungen richtig interpretiert und jeder aus drohender Lebensgefahr evakuiert wurde.