Leserbrief Was tut die Landesregierung?

Kloster Himmerod

Leserbrief zum Artikel „Kloster Himmerod: Kampf für Erhalt geht weiter“ im TV vom 19. Oktober:

Im Artikel berichtet der TV über die Zukunftsperspektiven der ehemaligen Zisterzienserabtei nach dem überraschenden Aus für die geplante Jugendbegegnungsstätte. Förderverein, Ortsgemeinde und Bistum zeigen guten Willen, dass Gästebetreuung, pastorale Betreuung, Forellenzucht und kulturelle Veranstaltungen auch zukünftig weitergehen, getragen von kirchlichem und ehrenamtlichem Engagement und eventuell einem Investor.

Aber was tut das Land Rheinland-Pfalz? Die 1135 als einziges Zisterzienserkloster auf deutschem Boden durch Bernhard von Clairvaux persönlich gegründete Abtei steht für eine bedeutende Erneuerungsbewegung des europäischen Mönchtums. Dem ausgeprägten Wirtschaftsethos des Zisterzienserordens verdankt Europa wirtschaftliche Innovationen wie die Hochofentechnologie und die landwirtschaftliche Erschließung ausgedehnter Brachländer und Sumpfgebiete. Nirgendwo anders in Deutschland ließe sich diese geschichtliche Leistung der Zisterzienser besser darstellen als in Himmerod, dessen intaktes Umland noch zahlreiche Spuren dieser großen Vergangenheit als Geländedenkmäler sichtbar bewahrt.

Leider fällt dieses Thema in der aktuellen Diskussion um die zukünftige Nutzung des Klosters unter den Tisch. Das sogenannte Museum in der Alten Mühle Himmerod schläft seit Jahrzehnten einen Dornröschenschlaf und begnügt sich mit moderner Emailkunst, Stahlskulpturen eines lokalen Bildhauers und Versatzstücken alter Ausstellungen, anstatt mit den Möglichkeiten moderner Museologie den Besuchern der Stätte ein spannendes und hochaktuelles Bild der bewegten Klostergeschichte zu vermitteln – einer Geschichte übrigens, die nicht mit der ersten Auflösung des Konvents 1803 endet, sondern über die Wiedergründung 1922 bis in den Zweiten Weltkrieg und die Anfänge der Bundeswehr führt.

Andere Bundesländer sind sich der Bedeutung der Klostergeschichte längst bewusst: Nordrhein-Westfalen betreibt in Kloster Dalheim ein Museum zur regionalen Klosterkultur. Baden-Württemberg stellt in Maulbronn, Alpirsbach und Hirsau mit Landesmitteln die Geschichte bedeutender Klosterstandorte in würdiger Form dar. Bayern hat sich über das Haus der Bayerischen Geschichte immer wieder auf Landesebene niveauvoll mit der Geschichte ausgewählter Klöster beschäftigt. Niedersachsen hat eine eigene Landesstiftung gegründet, um das ehemalige Zisterzienserkloster Walkenried als Lernort auszubauen.

In Rheinland-Pfalz hat sich das Land, was hier nicht verschwiegen werden soll, über Landesarchiv und Landesbibliothekszentrum Verdienste um den Erhalt wertvoller Archivalien und Handschriften aus Himmerod verdient gemacht. Aber es genügt nicht, kulturelle Schätze im Depot zu verwahren. Geschichtsvermittlung ist eine lebendige Aufgabe. Dass sie in Himmerod am Originalschauplatz in einer attraktiven Landschaft stattfinden kann, ist eine große Chance, die das Land gerade jetzt nutzen sollte.

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