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Leserbrief zum Thema Wildunfälle im Hunsrück

Ihre Meinung : Wildunfallbekämpfung ist eine Daueraufgabe

Verkehr

Zum Artikel „Wildunfälle drohen das ganze Jahr“ (TV vom 27.April) schrieb uns Gregor Steffes:

 Die Wildunfallproblematik war schon seit eh und je ein großes Thema bei der Polizei in Morbach. Viele zusammenhängende Waldflächen dienen vielen Menschen – neben der Schutz- und Nutzfunktion – auch der Erholung, begünstigen aber auch, wie die Unfallzahlen belegen, das Wildunfallgeschehen. Deshalb wurde schon von 2001 bis 2005 ein Projekt zur Wildunfallforschung durchgeführt. Als Ergebnis war festzustellen, dass es zwar gelungen war, allen an der Thematik der Wildunfälle beteiligten Institutionen und Personen die besorgniserregende Entwicklung nachhaltig vor Augen zu führen, allerdings fehlte es an einem einheitlichen und von allen Beteiligten getragenem Konzept. Sinnvolle Ansätze scheiterten meist an den finanziellen Möglichkeiten und den Egoismen der einzelnen Interessenvertreter beziehungsweise -gruppen.

Die Verkehrsunfallstatistik von 2019 bringt es an den Tag: Etwa 50 Prozent der von der Polizei in Morbach aufgenommenen Verkehrsunfälle sind Wildunfälle. Diese Zahlen sollten die Verantwortlichen motivieren, sich abermals vordringlich mit dem Thema Wildunfall-Management auseinanderzusetzen. Mit den Erfahrungen und Erkenntnissen des Pilotprojektes, neuen Akteuren, einem gewissen Know-how und einer hohen Motivation, sich dieser Herausforderung zu stellen, ließe sich einiges bewegen. Die Polizei sollte eine Schlüsselfunktion übernehmen. Die Beteiligung der Jägerschaft ist ebenfalls herauszustellen.

Wildunfallbekämpfung ist eine Daueraufgabe. Die Zunahme der Wildunfallzahlen zu stoppen erfordert in erster Linie den ehrlichen Willen aller dafür in der Verantwortung stehenden Dienststellen des Straßenwesens, der Land- und Forstwirtschaft, der Jägerschaft und der Polizei, sich verstärkt mit einem Wildunfall-Management zu befassen. An einem runden Tisch sollten sich alle Beteiligten auf Augenhöhe begegnen und gemeinsam die Ziele und Maßnahmen festlegen.

Beispielhaft sei hier angeführt, wie man erfolgreich Wildunfallbekämpfung durchführen kann. Das Projekt „Wild und Straße“ wurde vor 30 Jahren ins Leben gerufen. Dieser Modellversuch zur Beseitigung von Wildunfallschwerpunkten im Landkreis Kronach wird heute noch mit großem Erfolg durchgeführt. Grundlage ist die intensive Zusammenarbeit der staatlichen und nichtstaatlichen Träger der Verkehrssicherheit und die Schaffung eines einheitlichen EDV-unterstützten Wildunfallmeldesystems. Das menschliche Leid und der gesamtwirtschaftliche Schaden in Zusammenhang mit dem Wildunfallgeschehen sind enorm. Der Schutz des Wildes und die Sicherheit des Verkehrs sollten es uns wert sein, neue kreative Ansätze zur Lösung des Problems zu entwickeln und nicht stehenzubleiben, Bewährtes konsequent zu nutzen und Neues auszuprobieren.